Pioniere für den BFD: Erich Geßner und Gabriele Stark-Angermeier.
Pioniere für den BFD: Erich Geßner und Gabriele Stark-Angermeier.
München, 07. Juli 2021.

Bundesfreiwilligendienst ist unverzichtbar

Mit einem spirituellen Impuls, einem Grußwort durch Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier und einer Diskussionsrunde hat der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising am 6. Juli 2021 das zehnjährige Jubiläum des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) in der Münchner Jugendkirche gefeiert. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht und des Zivildienstes ergänzt der BFD das Angebot des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) innerhalb des Caritasverbands. Über 2.000 Interessierte haben sich seitdem für den BFD entschieden und sind in Altenheimen, Beratungsstellen, Kitas oder auch Werkstätten tätig gewesen. „Der Bundesfreiwilligendienst ist für alle Menschen offen – ohne Altersbeschränkung“, so Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. „Jüngere erwerben Erfahrung, können sich orientieren. Ältere bringen ihre Berufs-, ihre Lebenserfahrung ein und geben diese weiter.“
 
Einsatz für die Gesellschaft zentral
Mit den zwölf Aposteln vergleicht Caritaspräses Augustinus Bauer die BFDler. Beide hätten einen ähnlichen Auftrag. „Im Evangelium heißt es: ‚Geht ihr dorthin, wohin ihr gebraucht werdet, wohin ich nicht gehen kann.‘“, zitiert Bauer aus der Bibel und an die anwesenden Freiwilligendienstleistenden gewandt ergänzt er: „Sie haben erkannt, wir dürfen etwas geben und es steckt etwas in mir und meinem Leben.“ Im Kleinen ginge es auch hier immer ums Große – die Gesellschaft. „Genau das brauchen unsere Gemeinschaften dringend.“ Ähnlich sieht es auch Stark-Angermeier und unterstreicht: „Dieser spirituelle Geist drückt genau das aus, was das Engagement innerhalb des BFDs ist. Ihr Einsatz ist definitiv unverzichtbar.“
 
Win-Win-Konzept für Träger und Freiwillige ohne Altersbeschränkung
Die Podiumsrunde bringt den anwesenden Gästen den Freiwilligendienst durch Aspekte der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft näher. „Ich war kein Überzeugungstäter für den BFD“, räumt Erich Geßner, ehemaliger Leiter des Fachbereichs Freiwilligendienste, ein. „Ich war der Meinung, aufgrund der bereits existierenden Tradition, die Ressourcen lieber ins Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) zu stecken.“ Dennoch seien dann recht schnell erste Konzeptüberlegungen angestellt worden. Ziel sei es gewesen, etwa 50 Bundesfreiwillige zu gewinnen. „Tatsächlich hatten wir dann schon vor Ablauf des ersten Jahrgangs mehr als doppelt so viele Freiwillige und auch unsere Befürchtung, den Kontakt zu den jungen Männern zu verlieren, hat sich nicht bewahrheitet.“ Ein Trend, der sich über die Jahre fortgesetzt hat. „Ein Drittel unserer Freiwilligen ist männlich, zwei Drittel sind weiblich und wir haben auch die ersten diversen BFDler“, bestätigt BFD-Bildungsreferentin Maren Wissing. „Inzwischen kommt ein Viertel der Freiwilligen aus dem Ausland und da fast aus der ganzen Welt.“ Es gäbe Teilnehmende, die in der Stadt oder auf dem Land aufgewachsen seien, einige mit und andere ohne Schulabschluss. Sehr treffend sei das Feedback einiger BFDler: „Wir kommen in den Seminaren und in den Einsatzstellen mit Menschen zusammen, denen wir im Alltag sonst nicht begegnet wären und schließen Freundschaften, die wir ohne den BFD nicht geschlossen hätten.“ Das bestätigt auch die 19-jährige Josefine Walter, die gerade ihren Freiwilligendienst im Fachbereich Asyl und Migration der Caritas Dachau macht. Dort hat  sie nicht nur ihr erstes berufliches Team erlebt, sondern auch einen tiefen Einblick ins Arbeitsgebiet erhalten. Zudem ist sie selbstsicherer im Umgang mit anderen Menschen geworden,. Über die Bufdi-Gemeinschaft und die Seminare, die mehr als Bildungsinhalte vermitteln, sagt die junge Frau: „Der Austausch mit der Gruppe ist sehr hilfreich. Es ist gut zu wissen, wie andere mit Schwierigkeiten umgehen.“ Selbst in Zeiten von Corona seien die Seminare trotz der Onlinegestaltung sehr abwechslungsreich gewesen: „Wir konnten mit Spiel und Spaß über unsere Aufgaben und Tätigkeiten reflektieren und uns Gedanken über die eigene Zukunft machen. Ich habe aus der Zeit sehr viel mitgenommen und bin sehr dankbar dafür.“ Sie könne sich durchaus vorstellen, auch künftig, neben ihrem geplanten Jurastudium, ehrenamtlich in ihrem derzeitigen Arbeitsfeld für die Caritas aktiv zu bleiben.
 
Forderungen: #freiefahrtfuerfreiwillige und Rahmen der Bezahlung anpassen
„Mich freut es besonders, wenn die Bundesfreiwilligen sich entwickeln und vielleicht sogar als Azubis im Verband bleiben“, sagt Irma Wirthmüller, die den Fachdienst Asyl und Migration in Dachau leitet und den Einsatz der Freiwilligendienstleistenden seit fünf Jahren zu schätzen weiß: „Wir fördern Kompetenzen, fordern aber auch heraus.“ Zusätzlich sieht Wirthmüller die Freiwilligen als Multiplikatoren für die Caritasarbeit. Für die kommenden zehn Jahre wünscht sie sich: „Die Finanzierung des Einsatzes sollte keine Rolle mehr spielen.“ Bildungsreferentin Maren Wissing fügt hinzu: „Es wäre schön, wenn der Dienst eine höhere gesellschaftliche Bekanntheit und Anerkennung erlangen würde.“ Eine konkrete Idee hat sie auch, nicht erst seit dem Jubiläum: „Die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für BFDler.“ Die Einführung des 365-Euro-Tickets sei ein Schritt in die richtige Richtung. Es gäbe aber schon noch Luft nach oben. Auf Bayern- oder gar Bundesebene müsse ordentlich Druck gemacht werden, findet Geßner. „Wir müssen die Politik vor uns hertreiben.“ Anlass sei der geplante Freiwilligendienst für den Heimatschutz innerhalb der Bundeswehr. Dass zu diesem Thema und darüber hinaus politisch tatsächlich noch einige dicke Bretter zu bohren sind, bekräftigt  auch Caritas-Vorständin Stark-Angermeier: „Hier müssen wir genau hinschauen und die Stimme erheben.“ Der angedachte Dienst bei der Bundeswehr sei eher eine Hospitation und kein Engagement mit freiwilligem Ansatz. Deshalb müsse sich bei der Rahmensetzung der Bezahlung auch etwas tun: „Mit Blick auf die Frage, was angemessen ist, müssen die Sätze angepasst und erhöht werden.“ Gerade  für BFDler, die älter als 27 Jahre alt sind, sei das wichtig, bestätigt Wirthmüller: „Diese sind in der Regel in einer Phase der Umorientierung.“ Das Geld reiche dann nicht für den Lebensunterhalt aus. Derzeit sind das üblicherweise etwa 200 Euro Taschengeld pro Monat, plus gegebenenfalls Unterkunfts- und Verpflegungszuschuss.
 
Bundesfreiwilligendienst bei der Caritas und angeschlossenen Trägern
Mehr über den Bundesfreiwilligendienst, von der Anmeldung über das Bildungskonzept bis hin zur ausführlichen Tätigkeitsbeschreibung für Freiwillige unter und über 27 Jahren, finden Sie online unter www.caritas-bfd.de. (var)