Während der Corona-Pandemie sind die Miet- und Immobilienpreise weiter gestiegen.
Während der Corona-Pandemie sind die Miet- und Immobilienpreise weiter gestiegen.
München, 9. September 2021

„Wohnen ist Grundrecht, kein Luxusgut!“

Gabriele Stark-Angermeier stellt bezahlbaren Wohnraum in den Fokus
Diözesan-Caritasverband: Armut nimmt in breiter Bevölkerungsschicht zu 
"Wohnen ist Grundrecht und kein Luxusgut!“ Zum Tag der Wohnungslosen am Samstag, 11. September, fordert der Diözesan-Caritasverband die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Land und Kommunen auf, in einer konzertierten Aktion bezahlbaren Wohnraum sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen zu schaffen. „Wir brauchen mehr Wohnungen für junge Leute und Menschen mit geringem Einkommen“, moniert Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. Während der Corona-Pandemie seien die Miet- und Immobilienpreise weiter gestiegen. Ebenso die Zahl derjenigen, die in den Beratungsstellen der Caritas Hilfe suchen.
 
Angebote für junge Hilfesuchende fehlen
„Wohnen muss bezahlbar sein und bleiben“, mahnt die stellvertretende Caritasdirektorin. Gerade für junge Wohnungslose zwischen 18 und 27 Jahren sei es sehr schwer, adäquate Unterstützung zu finden: Sie fielen oft durchs Raster der gesetzlich vorgesehenen Hilfesysteme Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe und Sozialhilfe – oder blieben beim Wechsel von einem Hilfesystem ins andere auf der Strecke. Es gebe eine gleichbleibend hohe Zahl von jungen Menschen, die wohnungslos sind. Junge Menschen machen je nach Region und Schätzung bis zu einem Fünftel aller Wohnungslosen aus. Laut Deutschem Jugendinstitut sind 37.000 Menschen unter 27 Jahren in Deutschland ohne festen Wohnsitz. „Insbesondere in vielen kleineren Städten und Gemeinden fehlen Angebote für junge Menschen unter 27 Jahren. Ein ausreichendes Angebot an Notfall- und Notschlafstellen mit bedarfsgerechter und zielgruppenspezifischer sozialpädagogischer Begleitung sowie die schnellstmögliche Vermittlung in Wohnraum, in dem sie bleiben können, ist zwingend erforderlich“, erklärt Ludwig Mittermeier, Vorstand des Katholischen Männerfürsorgevereins München e.V. (KMFV).
 
Junge Menschen können sich kaum Wohnraum in Oberbayern leisten
Zudem sei es für junge Menschen, die noch in Ausbildung sind oder am Anfang ihres Berufslebens stehen, schwierig, selbstständig zu werden, da sie sich den teuren Wohnraum in der Region Oberbayern kaum leisten könnten.  „Solange das zu Hause oder in einer WG gut klappt, ist das noch relativ unproblematisch“, weiß Stark-Angermeier. Bei Konflikten oder Zerwürfnissen in der Familie oder beim Arbeitgeber könne die Situation jedoch schnell eskalieren. Stark-Angermeier berichtet von jungen Leuten, die bei Freunden oder im Auto übernachteten und schließlich auf der Straße landeten. „Wir kommen an die versteckten Wohnungslosen kaum heran“, erklärt die für das Ressort Soziale Dienste zuständige Caritas-Chefin. Deshalb sei es auch so schwierig zu helfen. „Hat sich die Situation verfestigt, wird es noch komplizierter.“
 
Ein Viertel der Wohnungslosen sind Frauen
Auch Frauen seien häufig von versteckter Wohnungslosigkeit betroffen, erläutert Simone Ortner vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF). Gerade nach Trennung und Scheidung stünden sie häufiger als Männer mittellos da oder fänden keine Wohnung. „Sie kommen zuerst bei Freunden unter, können einige Zeit dort übernachten, aber irgendwann geht das nicht mehr.“ Etwa ein Viertel der wohnungslosen Menschen sind Frauen, Tendenz steigend.
 
Wohnungsgenossenschaften fördern
Die Caritas setzt sich für eine bessere Förderung von gemeinwohlorientierten Akteuren wie zum Beispiel Wohnungsgenossenschaften oder städtische Wohnungsbau-gesellschaften ein, welche langfristig sozial gebundene Wohnungen oder Flexi-Heime bauen. Armutsbekämpfung ist eines der Hauptanliegen des katholischen Wohlfahrts-verbands, dessen Fachverbände SKF und KMFV sich unter anderem wohnungsloser Menschen annehmen. (md)