Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier
München, 15. September 2021

„Gerechtere Bildung durch Ganztag an der Grundschule“

Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier begrüßt Bundeskompromiss und fordert schnelle Planungen von Landesregierung und Kommunen
 
Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. begrüßt grundsätzlich den Beschluss des Ganztagsförderungsgesetzes (GaFöG) in seiner nachgebesserten Fassung von Bundestag und Bundesrat. „Durch die gesetzliche Verankerung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter, ab 2026 mit acht Stunden Betreuungszeit an fünf Tagen in der Woche, wird ein entscheidender Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit für Kinder im Grundschulalter geleistet“, lobt Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier den Kompromiss, stellt jedoch auch klar: „Dieser Rechtsanspruch hat  an den individuellen Bedürfnissen der Kinder anzusetzen, neben schulischer auch die Persönlichkeitsbildung und Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten sowie individuelle Förderung und Inklusion umzusetzen.“ Nur eine Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams werde dieser Anforderung gerecht.
 
Caritas als Kooperationspartner schulischer Ganztagsangebote
Die Caritas als Träger schulischer Ganztagsangebote im offenen, gebundenen und kooperativen Ganztag sowie in der Mittagsbetreuung, aber auch von Horten und Heilpädagogischen Tagesstätten sowie in spitzenverbandlicher Vertretung angeschlossener Träger dieser Angebote biete auch weiterhin seine Kooperationsbereitschaft und Trägerschaft für Ganztagsangebote im Grundschulalter an, betonte Stark-Angermeier. Sie fordere als Arbeitgeberin aber „eine am Bedarf in den jeweiligen Angeboten orientierte Finanzierung der Personalausstattung, die Förderung, Bildung und Inklusion zulässt, sowie die Verankerung und Refinanzierung von Fort- und Weiterbildung, Supervision und Vor- und Nachbereitungszeiten für Fachkräfte und pädagogische Mitarbeiter/-innen sowie refinanzierte Zeitressourcen für Leitungs- und Verwaltungsaufgaben“.
 
Strategische Planung gefordert
Um die Erfüllung des Rechtsanspruchs ab 2026 gut umsetzen zu können, ist schnell mit der strategischen Planung zu beginnen, verlangt die stellvertretende Caritasdirektorin von der Bayerische Landesregierung und den Kommunen. „Wegen des erforderlichen Vorlaufs erachten wir diese strategischen Planungen bereits jetzt als zwingend notwendig“, so die Caritas-Chefin. Als erfahrener Kooperationspartner und Träger biete der Caritasverband München-Freising und die ihm angeschlossenen Träger gerne seine Unterstützung bei weiteren Beratungen und Planungen an.
 
Landesweite Offensive zur Personalgewinnung
Um dem eklatanten Fachkräftemangel zu begegnen, der bereits jetzt zu Schließungen von Gruppen und Angeboten führe, helfe „nur eine sofort beginnende, landesweite Offensive zur Personalgewinnung, insbesondere mit dem Ausbau der Ausbildungskapazitäten an Fachakademien und zur Qualifizierung von Quereinsteigern, gepaart mit einem auskömmlichen Einkommen für Mitarbeiter/-innen“, unterstreicht Stark-Angermeier.
 
Darüber hinaus seien für eine gelingende Ganztagsbildung entsprechende Gruppen- und Gemeinschaftsräume sowie Freiflächen für Hausaufgabenzeit, Mittagessen und Freizeitgestaltung sowie entsprechende Personalräume bereitzustellen.

Transformationsprozess und zukunftsfähige Angebote
Selbstverständlich könne auf keines der bisher bestehenden Angebote und auf keine bisher in diesen Angeboten engagierte Person verzichtet werden, bekräftigt die Caritas-Vorständin. Weitere Forderungen sind:
·         Aussagen der Landesregierung zu Rahmenbedingungen zukunftsfähiger Angebote sowie ggf. einen Transformationsprozess bisher bestehender Angebote in eine zukünftig rechtsanspruchskonforme Form.
·         Erforderliche Qualifizierungen des bisherigen Personals seien umgehend strategisch zu planen, entsprechend berufsbegleitende Weiterqualifizierungsangebote jetzt in ausreichendem Umfang zu schaffen und die jeweiligen Träger entsprechend finanziell von Land und Kommune zu unterstützen. Es könne nicht Aufgabe bisheriger Anbieter sein, Mitarbeitende in Hinblick auf einen von Land und Kommunen umzusetzenden Rechtsanspruch auf eigene Kosten zu qualifizieren.
·         Für eine regionale Angebotsplanung zur Umsetzung des Rechtsanspruchs sollten die Kommunen die jeweiligen Träger der Ganztags-/Kinder- und Jugendhilfe-Angebote vor Ort in die Planungen zukünftiger ganztägiger Bildungsangebote einbeziehen, um gemeinsam geeignete bedarfsgerechte Lösungen zu finden.