Caritas-Vorständin fordert kürzere Quarantänezeiten.
Caritas-Vorständin fordert kürzere Quarantänezeiten.
München, 5. Januar 2022.

Caritas fordert kürzere Quarantäne

Nach zwei Jahren Corona-Pandemie und fast kontinuierlichem Krisenmodus verlangt der Diözesan-Caritasverband eine wirksame Entlastung der Altenheime für die Wintermonate. „Mit der Omikron-Variante steht eine neue enorme Herausforderung für unsere Häuser vor der Tür“, betont Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier, zuständig für Altenhilfe, Soziale Dienste und Personal. Noch im Dezember hätten die Altenheime mit den Auswirkungen der vierten Infektionswelle kämpfen und erhebliche Personalausfälle kompensieren müssen. Mit der raschen Verbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante befürchten die Caritas-Verantwortlichen eine kaum zu bewältigende prekäre Lage in den Altenheimen.

Caritas befürchtet hohe Ausfallquoten
„Wir rechnen wegen zunehmender Quarantänefälle mit noch größeren Ausfallquoten bei den Beschäftigten. Wie sollen wir das ausgleichen?“, fragt Stark-Angermeier und fordert Bundes- und Landespolitiker im Vorfeld des Corona-Gipfels am Freitag auf, die Quarantänezeiten auch für Kontaktpersonen von Omikron-Infizierten verantwortungsvoll zu verkürzen. Insbesondere für geimpfte und geboosterte Mitarbeiter/-innen sollte dies zeitnah beschlossen werden, um den Betrieb der Altenheime sicherstellen zu können.

Prüfungen zur Unzeit
„Qualität ist uns selbstverständlich wichtig, doch Qualitätsprüfungen zur Unzeit sind völlig unangemessen“, kritisiert Doris Schneider, Geschäftsleiterin der 27 Caritas-Altenheime in München und Oberbayern. „Noch kurz vor Weihnachten haben Prüfungen durch MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) und FQA (Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätsentwicklung und Aufsicht) stattgefunden, also zu einer Zeit, wo wir alle Hände voll zu tun hatten, das Alltagsgeschäft mitten in der 4. Corona-Welle zu bewältigen.“ Statt Alten- und Pflegeheime mit ihrem Fachpersonal, oft ausgebildete Pflegefachkräften, zu unterstützen, zögen die Prüfstellen mitten in der Krise auch noch Kapazitäten ab. „Man muss sich schon über die Prioritätensetzung wundern“, moniert Schneider und beklagt die mangelnde Wertschätzung des Pflegepersonals, die hier zum Ausdruck komme: „Die Qualitätsprüfungen finden statt, als ob es nie eine Pandemie gegeben hätte.

Caritas setzt auf Pflegequalität

Die Mitarbeitenden und Führungskräfte haben die letzten zwei Jahre Herausragendes geleistet, um die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten, alle Regeln für den Infektionsschutz umzusetzen und gleichzeitig die Qualität hoch zu halten.“ Schon im Herbst hätten Prüfungen zu enormen zusätzlichen Arbeitsbelastungen geführt und zu hoher Frustration bei den Führungskräften. „Wir wissen, dass wir nicht auf dem Niveau arbeiten wie vor der Corona-Pandemie, aber wir müssen klare Prioritäten setzen und können nicht die Aufmerksamkeit auf die formalen Anforderungen der Qualitätsprüfungen legen, über deren Aussagekraft sich auch unter Fachleuten trefflich streiten lässt.“

Konzentration auf das Wesentliche
Aktuell, so Schneider weiter, konzentrierten sich die Häuser darauf, „die Menschen, die bei uns wohnen und leben, gut zu versorgen und darüber hinaus intensiv Notfallpläne vorzubereiten für den Fall massiver Personalausfälle durch die Omikron-Variante“. Die Altenheim-Chefin würde es daher als positives Signal begrüßen, wenn die Qualitätsprüfungen und alle damit verbundenen Vor- und Nacharbeiten zumindest zeitweise ausgesetzt werden könnten.

Klare Regelungen
Darüber hinaus verlangt auch Schneider eine schnelle und klare Regelung für die Quarantänezeiten. „Eine Entscheidung der Gesundheitsämter, die die Fachkompetenz der Träger und Einrichtungen vor Ort auf Augenhöhe mit einbezieht, wäre in dieser Frage hilfreich.“ (beb)