Caritas-Vorständin fordert mehr staatliche Unterkünfte.
Caritas-Vorständin fordert mehr staatliche Unterkünfte.
München, 9. März 2022.

Zu wenige Flüchtlingsunterkünfte

Der Diözesan-Caritasverband für München und Oberbayern warnt vor untragbaren Zuständen am Münchner Hauptbahnhof und fordert unbürokratische, schnelle Lösungen für die Unterbringung der ukrainischen Geflüchteten, die inzwischen in immer größerer Anzahl ankommen. „Wir brauchen sofort und dringend mehr staatliche Unterkünfte und eine konzertierte Hilfsaktion“, fordert Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier von Kommunen, Freistaat Bayern und Bundesebene. Auch die gesundheitliche Versorgung, etwa mit Corona-Testzentren und Quarantäne-Stationen für Corona-erkrankte Ukrainer und Ukrainerinnen müssten schnellstens aufgebaut werden. „In den letzten 24 Stunden haben wir 1.200 Geflüchtete an unserem Info-Point versorgt. Diese Caritas-Station ist als erste niedrigschwelliges Ankunfts- und Informationsangebot gedacht. Die nachgelagerte Logistik muss dringend besser aufgestellt werden, damit wir die ankommenden Kriegsflüchtlinge gut weiter verteilen und betreuen können“, verlangt Stark-Angermeier: „Zeitnah brauchen wir mindestens 2000 zusätzliche Bettenplätze und die Transportmöglichkeiten wie Shuttlebusse für die Menschen dorthin. Unseres Erachtens könnten Messehallen angemietet und nun auch der Katastrophenschutz eingeschaltet werden.“

Gutes katholisches Netzwerk
„Gemeinsam mit unseren Partnern wie Bahnhofsmission, Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) oder IN VIA arbeiten unsere Leute 24 Stunden am Tag, um den Menschen zu helfen. Wir brauchen für unsere unbürokratischen Direkthilfen dringend mehr Unterstützung aus der Politik“, so Stark-Angermeier. Keiner wisse mehr, wo man die Menschen hinschicken solle, zumal inzwischen auch die Schlafplätze und Ruheräume rund um den Hauptbahnhof wie das Feldbettenlager der Bahnhofsmission, das Luisengymnasium mit 250 Betten oder die L‘Osteria mit 100 Feldbetten überbelegt seien. „Infolgedessen konnten die Geflüchteten letzte Nacht nicht mehr zügig in Sofortunterbringungseinrichtungen weitergeleitet werden und hielten sich somit über Stunden bei Kälte in der HBF-Halle auf“, berichten die Caritas-Sozialarbeiter/-innen und Ehrenamtlichen, die seit vielen Tagen nonstop im Einsatz sind. Sie schätzen, dass in der Stadt zeitnah mindestens 2000 zusätzliche Bettenplätze, beispielsweise in der Messehalle, geschaffen werden sollten. Inklusive der Transportmöglichkeiten wie Shuttlebussen für die Menschen dorthin.

Sorge um Frauen und Kinder
Sowohl die Caritas- wie die zahlreichen ehrenamtlichen, teils ukrainisch sprechenden Helferinnen und -Helfer, die seit einer Woche am Münchner Hauptbahnhof die ankommenden Flüchtlinge in Empfang nehmen, sind besorgt: „Der ganze Bahnhof ist voller Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder. Die meisten sind verzweifelt, hungrig und erschöpft und wissen überhaupt nicht, wohin in ihrer Not.“ Zudem kämen immer mehr Züge voller Flüchtlinge aus der Ukraine an, zum Beispiel über Freilassing oder aus Berlin. Stark-Angermeier dankt den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Namen des Vorstands der Diözesan-Caritas für ihren außergewöhnlichen Einsatz und betont weiter: „Wir bräuchten auch dringend Informationen und eine Infrastruktur, in welchen anderen Städten oder Landkreisen noch Unterbringungsmöglichkeiten bestehen.“

Bessere Planungen gefordert
Gebraucht würden auch verlässlichere Zahlen bezüglich der Anzahl der zu erwartenden Geflüchteten. „Mir ist bewusst, dass dies nicht ganz einfach sein wird, da am Hauptbahnhof nicht nur Ukrainer/-innen aus den Zügen steigen, sondern auch mit Bussen, per S-Bahn oder über privat organisierte Fahrten ankommen“, so die Caritas-Vorständin, die unter anderem für Soziale Dienste und Personal beim Caritasverband zuständig ist.

Drei Gruppen von Flüchtenden
Die Kriegsflüchtlinge könnten in drei Gruppen unterteilt werden: Diejenigen, die weiterreisen wollten, diejenigen, die bei Verwandten oder Freunden unterkämen und „diejenigen, die nicht wissen, wohin sie können. Für diese letztere Gruppe brauchen wir mittel- und langfristig staatliche Unterkünfte“, so Stark-Angermeier. In den Ankerzentren und Dependancen in Manching/Ingolstadt und Fürstenfeldbruck, die von der Caritas mitbetreut werden, würde derzeit Platz für mehrere hundert Geflüchtete geschaffen.

Immer mehr Ratsuchende
Suchten vorige Woche etwa 60 Personen Rat bei der Caritas, waren es am Samstag bereits 700 bis 800. Heute sind es bereits 1.200. Die zentrale Caritas-Anlaufstelle bietet ankommenden Flüchtlingen täglich von 7.00 bis 24.00 Uhr (bei Bedarf auch mal länger) eine muttersprachliche Erstorientierung an. Am Caritas-Infopoint stehen Mitarbeitende der Caritas zusammen mit ukrainisch-sprachigen Ehrenamtlichen, den Geflüchteten mit Informationen und tatkräftiger Hilfe zur Seite. Nachts werden Ankommende von der Bahnhofspolizei an die Bahnhofsmission weitervermittelt.

Psychologische Unterstützung

Seit heute steht den ukrainischen Geflüchteten der Psychologische Dienst für Ausländer der Caritas mit einer offenen psychologischen Sprechstunde zur Verfügung. Fachleute beraten von 10.00 bis 16.00 Uhr in der Bayerstraße 73, 2. Stock, persönlich und telefonisch (0151-541 38747). Sie arbeiten mit muttersprachlichen Mitarbeitenden oder dolmetschergestützt. (mmr/beb)
 
Infos und Hilfeangebote unter www.caritas-fluechtlingshilfe-ukraine.de