Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier plädiert für Lockerungen in den Caritas-Altenheimen.
Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier plädiert für Lockerungen in den Caritas-Altenheimen.
München, 9. Juni 2022.

Caritas plädiert für Corona-Lockerungen

Mit Blick auf die aktuelle Corona-Lage und angesichts sinkender Infektionszahlen fordert der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. für die Sommermonate eine dringend überfällige Verschnaufpause für stationäre Einrichtungen in der Alten- und Behindertenhilfe. „Nach mehr als zwei Jahren im Krisenmodus sehnen sich Bewohner/-innen, Mitarbeitende und Klienten/-innen nach mehr Liberalität und einem normalen Alltag in den Einrichtungen. Sie alle wollen den Sommer genießen“, betont Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier und verlangt weitere Lockerungen von Corona-Maßnahmen in Alten- und Pflegeheimen. Ein erster wichtiger Schritt und eine große Entlastung sei die Entschärfung der Maskenpflicht durch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek gewesen, lobt die Caritas-Chefin dessen Maßgabe, in den Alten- und Pflegeheimen von FFP-2- auf OP-Masken umzustellen. „Schön wäre, wenn mit dem Auslaufen der Infektionsschutzverordnung Ende Juni die Masken- und Testpflicht ganz fällt oder zumindest in die Eigenverantwortung der Einrichtungsträger gegeben würde“, so Stark-Angermeier, die bei der Caritas Soziale Arbeit, Personal und Altenhilfe verantwortet und für 350 Einrichtungen und Dienste mit fast 10.000 Beschäftigten in München und Oberbayern spricht.
 
Überschaubares Infektionsgeschehen

„Wir können bei Bedarf die notwendigen Hygienemaßnahmen sofort wieder hochfahren“, ergänzt Doris Schneider, Geschäftsleiterin der 26 Caritas-Altenheime. „Wir sind flexibel und wissen auch, wann dies notwendig ist.“ Aber die Bewohner, die seit 27 Monaten nur Gesichter mit Masken sähen, und die Mitarbeitenden, die unter den einseitigen Infektionsschutzanforderungen ächzten, bräuchten nun dringend Normalität. Das Infektionsgeschehen in den Altenheimen sei derzeit überschaubar. Infektionen bei den Mitarbeitenden kämen in der Regel aus dem privaten Umfeld, eine Übertragung auf die Bewohner/-innen sei nur in seltenen Fällen nachvollziehbar. Positiv getestete Bewohner/-innen hätten in der Regel keine oder nur sehr leichte Symptome. „Es ist schon absurd, wenn ich mit dem Bewohner völlig ungeschützt aufs nächste Volksfest oder ins Fußballstadion gehen kann, aber zurück im Altenheim dann wieder die Maske aufsetzen und einen Test machen muss“, moniert Schneider. Zudem würde es für Besucher immer schwieriger, die geforderten Corona-Tests beizubringen. Vor allem in ländlichen Regionen seien die Test-Angebote weitgehend abgebaut worden, erläutert die Geschäftsleiterin: Ein Besuch bei den Lieben im Altenheim müsse genau geplant werden. „Spontan vorbeischauen ist nicht möglich.“ Und wegen des hohen Personalaufwands sei es nicht in jeder Caritas-Einrichtung möglich, eine Teststation vorzuhalten. Die Finanzierung der Tests und insbesondere des dafür eingesetzten Personals sei nicht ausreichend, um maximale Testzeiten anbieten zu können.
 
Forderung: Aussetzen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht 
Vor dem Hintergrund der gescheiterten Gesetzesinitiativen im Bundestag für eine allgemeine oder wenigstens altersbezogene Impfpflicht verlangt Caritas-Vorständin Stark-Angermeier ein Aussetzen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht statt einer Verschärfung für die Mitarbeitenden, die ab 1. Oktober nicht mehr nur zwei Impfungen, sondern zusätzlich eine Booster-Impfung nachweisen müssen. „Wir halten die Impfung immer noch für den besten Schutz vor schweren Virusverläufen. Aber eine rein sektorale Impfpflicht greift zu kurz und ist in ihrer Wirkungskraft stark eingeschränkt“, unterstreicht die stellvertretende Caritasdirektorin. Altenheim-Chefin Schneider hält es für „unlogisch und aus der Zeit gefallen, nur die Mitarbeitenden einer Impfpflicht zu unterziehen, aber nicht einmal die vulnerablen Gruppen selbst“. Die seien am besten geschützt, wenn sich die gesamte Bevölkerung impfen ließe. Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe mit einseitigen Sonderregelungen zu überziehen, sei unverhältnismäßig und berge zudem die Gefahr einer Abwanderung von Arbeitskräften.
 
Politik muss jetzt für den Herbst aktiv werden
Die Debatte, da sind sich Stark-Angermeier und Schneider einig, müsse fortgesetzt werden, auch mit Blick auf den Herbst und die jüngsten Einschätzungen des Corona-Expertenrats der Bundesregierung. Die politisch Verantwortlichen müssten schon jetzt Perspektiven entwickeln und Vorbereitungen treffen, um den kommenden Herbst und Winter einigermaßen Corona-sicher zu gestalten. „Wir brauchen langfristige Planungssicherheit statt kurzfristiger Änderungen sowie eine ausreichende Finanzierung der Maßnahmen. Mit dem Auslaufen des Rettungsschirms Ende Juni fällt die Refinanzierung der zusätzlichen Aufgaben weg. Hier braucht es eine monetäre Lösung, die nicht wieder zu Lasten der Bewohner/-innen oder der Träger geht“, mahnt Doris Schneider. Ad-hoc-Änderungen, wie sie bisher seitens des Gesetzgebers erfolgt seien, bedeuteten einen enormen Steuerungs- und Kommunikationsaufwand für die Führungskräfte. „Die Politik muss jetzt Gas geben und die Corona-Vorsorge regeln.“ (beb/md)