G. Stark-Angermeier mit ihrem Vorstandskollegen T. Schwarz (l.) und Kreisgeschäftsführer E. Lehmann.
G. Stark-Angermeier mit ihrem Vorstandskollegen T. Schwarz (l.) und Kreisgeschäftsführer E. Lehmann.
München, 20. Juli 2022

Start und Segnung des neuen Caritas-Zentrums in Prien

Gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus Politik, Kirche und Wirtschaft haben die Vorstände des Diözesan-Caritasverbands München und Freising Gabriele Stark-Angermeier und Thomas Schwarz sowie Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann das neue Caritas-Zentrum in Prien am gestrigen Dienstag feierlich eröffnet. Die neue soziale Anlaufstelle an der Beilhackstraße 15 in Prien wartet mit einer Vielzahl an sozialen Dienstleistungen sowie drei Sozialwohnungen auf. Gebündelt sind hier die Interdisziplinäre Frühförderung, die „Priener Tafel“, Ämterlotsen, die Schuldner- und Soziale Beratung, Gemeindecaritas und bürgerschaftliches Engagement, die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, die Fachstelle für pflegende Angehörige sowie der Sozialpsychiatrische Dienst. „Der Neubau ersetzt die bisherigen drei Standorte in Prien, die viel zu klein geworden sind“, so Stark-Angermeier.
 
In einem Zwiegespräch erzählten Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier und Caritas-Vorstand Thomas Schwarz von den Vorteilen und den Herausforderungen des neuen Caritas-Zentrums und dankten allen am Bau Beteiligten. Schwarz dankte „insbesondere allen Förderern und Spendern, die dazu beigetragen haben, dass wir einen guten Teil des Baus durch Spenden und Vermächtnisse finanzieren konnten.“
 
Steigende Armut: Immer mehr Tafel-Kunden und weniger Lebensmittelspenden
Die Caritas-Vorständin warnte vor einer rasant wachsenden Welle der Armut. Die Unterstützungsbedarfe stiegen. „Nicht nur durch die Herausforderungen, die die Covid-19-Pandemie mit sich bringt, oder ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, sondern ebenso durch längerfristige ungünstige gesellschaftliche Entwicklungen.“ Durch die Belastungen der Jugendlichen und Familien in der Coronazeit und insgesamt gebe es eine zunehmend stärkere Nachfrage in der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien. Stark-Angermeier mahnt: „Bei der Tafel und in der sozialen Beratung erleben wir: Die Zahl der Haushalte in prekären Situationen nimmt zu. So hatte die Tafel in Prien vor dem Ukraine-Konflikt ca. 360 wöchentliche Besucherinnen und Besucher, nun sind es über 500 und wir rechnen mit einem weiteren Anstieg.“ Gleichzeitig stagnierten die Lebensmittelspenden oder nähmen tendenziell ab. Auch in der Schuldnerberatung meldeten sich mehr Klienten/-innen zur Privatinsolvenz an. „Dem sozialen Abstieg entgegenzuwirken, dazu leistet die Caritas ihren Anteil mit all den Diensten unter einem Dach!“, betonte die Caritas-Vorständin.
Bei der Fachstelle für pflegende Angehörige steige das Segment der Familienpflege ebenso stark an wie der Unterstützungsbedarf für pflegende Angehörige und im Sozialpsychiatrischen Dienst.
 
Frühförderstelle seit 1996
Mit sieben Mitarbeitenden bleibt die interdisziplinäre Frühförderstelle für Kinder mit Behinderungen ein zentrales Angebot, betonte Schwarz. Der Mehrwert der Frühförderung, die seit 1996 vor Ort sei, „besteht in der Bündelung in einem Haus mit seinen kurzen Wegen, was den verschiedenen Fachdiensten eine schnelle Zuarbeit und gemeinsame Fallbesprechungen ermöglicht. So kann ein Kind, das in der Spielgruppe betreut wird und von einer Behinderung betroffen ist, gleichzeitig von der interdisziplinären Frühförderung begleitet werden und die Eltern nehmen Erziehungsberatung in Anspruch.“ Sollten zudem auch finanzielle Probleme hinzukommen, sei auch die Soziale Beratung oder die Schuldnerberatung oder, bei psychischen Problemen, der Sozialpsychiatrische Dienst vor Ort. „Nach innen ist es die Zusammenarbeit zwischen unseren medizinischen Therapeuten, unseren pädagogischen Therapeuten. Ein Kind wird immer durch ein multiprofessionelles Team begleitet, das sich inhaltlich zuarbeitet“, erklärte Schwarz und weiter: „Nach außen ist es die Zusammenarbeit mit Schulen, Haus- und Fachärzten und mit externen Therapeutinnen und Therapeuten.“
 
Vorteil: Synergien und Interdisziplinarität
Von den knapp 10.000 Menschen, die 2021 von den Fachdiensten des Caritas-Zentrums beraten oder betreut wurden, kämen 1.566 Menschen aus dem Dekanat Chiemsee, rechnete Stark-Angermeier vor. Das neue und flexible Raumkonzept mit multifunktionaler Ausstattung ermögliche das Arbeiten in unterschiedlichen Settings, unterstütze die Synergien der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachdienste und spiegele die konzeptionelle Weiterentwicklung der Caritas-Zentren wider. „Dies bedeutet aber keine Einschränkung, sondern im Gegenteil bedingt durch den Neubau mehr Platz – und mehr Interdisziplinarität durch die Anbindung der vielen Fachdienste im Haus“, unterstrich die Caritas-Vorständin.
 
Integrative Spielgruppe
Für zwölf Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren steht im Haus eine integrative Spielgruppe zur Verfügung. Dafür dankte Annette Resch, Vorständin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Südostbayern, in dessen Händen die Spielgruppe liegt. Resch unterstrich, wie wichtig es sei, dass die Kinder „in einem christlichen Haus“ betreut werden können. Resch betonte, dass die Kinder auch nur an einem, zwei oder drei Tagen in der Woche gebracht werden können. 
 
Ein Meilenstein
Bürgermeister Andreas Friedrich sprach von einem „sehr besonderen Haus für Prien, weil hier der Mensch im Mittelpunkt steht und Hilfe und Anleitung zur Selbsthilfe, Hoffnung und Halt findet“. Vis-a-vis des Naturparadieses Eichental sei eine neue soziale Heimat für Prien und die Chiemseeregion geschaffen worden. Der Bau sei ein Meilenstein, der ihn als Bürgermeister sehr froh stimme, weil bislang die sozialen Dienstleistungen für die Familien und Menschen mit unterschiedlichen Problemlagen sehr verstreut und teilweise auch beengt gewesen seien.
 
Solitär mit Photovoltaik und Wärmepumpe
Architekt Hansmartin Jahn dankte allen Gewerken und hob den Willen der Verwaltung hervor, das Haus inklusive drei Wohnungen und 18 Stellplätzen ermöglich zu haben. Der Bau mit insgesamt 833 Quadratmetern Nutzfläche und 150 Quadratmetern Wohnraum sei einfach und dauerhaft – und jederzeit anpassbar. „Der Standort mit seiner Nähe zu Zentrum und Bahnhof geradezu ideal“, so Jahn. Das Caritas-Zentrum füge sich in den Dreiklang mit Lechner-Haus und Schmidtscher Kartenfabrik und sei dennoch ein Solitär. „Das Gebäude wird in Prien Identität schaffen und hat einen hohen Wiedererkennungswert“, ist Jahn sicher. In weiser Voraussicht setzte der Architekt auf eine regenerative Energieversorgung mit Photovoltaik und Wärmepumpe – statt auf Erdgas. „Als ehemaligem Zivi war es mir eine Freude, für die Caritas zu arbeiten“, schloss Jahn.
 
Ökumenische Segnung
Reichen Segen erhielt das Haus gleich von drei Kirchenvertretern: Vom katholischen Pastoralreferenten Werner Hofmann, vom evangelischen Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth sowie von Rita Sandig von der Neuapostolischen Kirche. (beb)