Was brauchen Familien in München?

München, 26. Juni 2018.

Gruppenarbeit beim Caritas-Fachtag Familien.
Foto: Schüller/Caritas München

„Das Leben von Familien in München ist geprägt von Entwicklungen, die wir gesamtgesellschaftlich beobachten: Geschlechterrollen haben sich verändert, die Vielfalt von Familienformen hat deutlich zugenommen und unser Verständnis von Erziehung ist ein anderes als früher“, erklärte Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier gestern auf dem zweiten Familien-Fachtag unter dem Motto „Hilfe die ankommt – Wirksame Angebote für Familien in München“. In der wachsenden Stadt München stünden Familien zudem vor weiteren Herausforderungen: der Wettbewerb um einen Kita- oder Hortplatz sei enorm und die Lebenshaltungskosten hoch – was sich besonders daran zeige, dass es vielen Familien schwerfalle, eine bezahlbare Wohnung zu finden, die groß genug sei. „Wir als Caritasverband sehen ein großes Potenzial darin, Familien über die Kitas zu erreichen. Deshalb haben wir ein Konzept für Familienservicezentren entwickelt, dass wir seit über zehn Jahren in einigen Caritas-Kitas umsetzen“, betont Stark-Angermeier. Die Familienarbeit und Beteiligung der Eltern begünstige die Entwicklungs- und Bildungschancen der Kinder.
 
Strategien für zukunftsfähige und niedrigschwellige Angebote
Über 90 Fach- und Führungskräfte aus der Familienarbeit sowie Vertreter von Verbänden und Politik diskutierten auf dem Fachtag über den veränderten Bedarf von Familien in schnelllebigen Zeiten und informierten sich an fünf Ständen über Angebote der Familienbildung und frühe Hilfen in München. Familienexperten unterstützten mit ihrer Expertise, Vorträgen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Einig waren sich alle, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen – vom Rückgang der traditionellen Familie, der Zunahme von Ein-Eltern-Familien und der Zuwanderung von Familien aus unterschiedlichen Kulturen und Ethnien – neue strategische Ausrichtungen erfordern.
 
Kindeswohl abhängig vom Kontext der Familie
„Insbesondere Kinder aus Migrationsfamilien bewältigen den Übergang in die Schule erfolgreicher, wenn sie in der Vorkindergartenzeit eine familienergänzende Einrichtung besucht haben. Das Lehrpersonal beurteilt ihre sprachlichen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten signifikant besser als die von Kindern, die ausschließlich zu Hause aufgewachsen sind“, stellte Uta Meier-Gräwe, emeritierte Professorin und Mitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, in ihrem Vortrag „Doing Family – Strukturwandel von Kindheit und Familie heute“ fest. Zudem wies die Professorin auf die zunehmende Konzentration von armen Menschen in bestimmten Stadtvierteln hin. Dieses Niveau kenne man bislang nur von amerikanischen Städten. Eine Begegnung der unterschiedlichen Gruppen sei für den sozialen Zusammenhalt jedoch wichtig.
 
Konkrete Forderungen an den Münchner Stadtrat
Gülsen Demirel, Stadträtin der Grünen sagte: „Die Landeshauptstadt fördert viel, dennoch sind 21.000 Kinder in München von Armut bedroht. Hier ist dringender Handlungsbedarf.“ Sorgen bereite der Fachkräftemangel, der einem Ausbau von Diensten in Kindertageseinrichtungen entgegenstehe, konstatierte Anne Hübner, Stadträtin der SPD. „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“, fasste Günter Refle, Leiter des Felsenweginstituts in Dresden, in seinem Referat „Kindertagesstätten als Ort der Familienbildung, Chancen und Grenzen“ zusammen. Fazit des Fachtags Familie: Sieben konkrete Forderungen zum Wohle von Familien sollen jetzt abgestimmt und in den Münchner Stadtrat eingebracht werden. (mmr)




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