Caritas kritisiert das Modell „Transitzentrum“

München, 1. März 2018.

Die Akademie der Nationen (ADN) des Diözesan-Caritasverbands kritisiert die Unterbringung von Asylsuchenden in großen Transitzentren wie in Manching/Ingolstadt. „Die Menschen leben am Stadtrand, dürfen keine Sprachkurse besuchen, nicht arbeiten, haben nur ein kleines Taschengeld und die Kinder besuchen keine Kindertagesstätte und nur wenige die Regel-Schule. Alles ist hier auf Exklusion ausgerichtet.“ Diese Umstände bemängelte Gabriele Störkle, Fachdienstleitung Asylsozialberatung der Caritas im Transitzentrum in Manching, am Mittwoch, 28. Februar, bei einer öffentlichen Veranstaltung der ADN zum Thema „Abschreckungsmodell Transitzentren?“ in München. Den Plänen der Bundesregierung, das bayerische Transitzentrum als bundesweites Modell zu übernehmen, erteilte Störkle eine klare Absage. Alles, was integrative Wirkung zeige, würde dort untersagt. Asylverfahren würden innerhalb von vier bis fünf Tagen abgewickelt und kein Mensch könne sich in so kurzer Zeit über seine Rechte kundig machen.

Unterbringung nur auf Abschiebung ausgerichtet 
„Null Integration, null Perspektive, null Kontakt mit Einheimischen, null Chance zur Integration“, ergänzte Willi Dräxler, Caritas-Fachreferent Migration und Integrationsbeauftragter im Stadtrat in Fürstenfeldbruck. Die bayerischen Transitzentren seien kein gutes Modell für Deutschland. Es sei sehr fragwürdig, wie Menschen dort behandelt würden. „Menschen sind keine Nummern oder Aktenzeichen. Wir müssen uns solidarisch verhalten und zumindest versuchen, uns in ihre Lebensgeschichten und traumatischen Erfahrungen in den Herkunftsländern hineinzuversetzen.“ Die Asylsuchenden kämen in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden und würden dann in den Zentren weitgehend isoliert. Dräxler äußerte Verständnis dafür, dass es dann vereinzelt zu Aggressionen und Problemen käme. Nachdem nur wenige der Asylsuchenden wirklich abgeschoben werden könnten, dürfe man bei der Integration der Menschen in Sprache und Arbeit nichts versäumen.
 
Mehr Solidarität und Humanität gefordert
„Es bewegt mich sehr, wenn Menschen hierherkommen, weil sie von einer Rechtssicherheit ausgehen und dann erleben sie das Gegenteil. Sie werden hier wieder nicht gleichbehandelt und sind machtlos Entscheidungen ausgesetzt. Sie leben mit wildfremden Menschen in einem Zimmer, dürfen nicht das essen, was sie gewohnt sind, und sind täglich großem Stress ausgesetzt, weil sie nicht wissen, was sie erwartet“, berichtet Gabriele Pulm-Muhr von der Caritas aus ihrem Beratungsalltag. Auch sie plädierte für einen menschenwürdigeren Umgang mit den Frauen, Männern und Kindern.

Caritas im Dauereinsatz für Asylsuchende
In Manching und Ingolstadt arbeiten Caritas-Asylberater in aktuell etwas über drei Vollzeitstellen. Sie beraten gut 1.000 Asylsuchende aus dem Westbalkan, der Ukraine, Afghanistan und Nigeria, vor allem in dringlichen medizinischen, psychologischen und finanziellen Fragestellungen. Nachdem seit Oktober 2017 nur noch 500 nigerianische Flüchtlinge im Transitzentrum untergebracht sind, hat sich die Situation dort nicht weiter zugespitzt, was die Versorgung von Kleinkindern und Säuglingen sowie die Beratung von traumatisierten Frauen betrifft. „Dafür hat sie sich in Fürstenfeldbruck verschärft, weil dort alle neu angekommenen nigerianischen Flüchtlinge, viele von ihnen hoch traumatisiert, in der Erstaufnahme ankommen und auch verbleiben“, so Dräxler. (mmr)






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