Caritasdirektor Falterbaum: „Bei Pflege und Wohnen brauchen wir einen großen Wurf“

München, 5. März 2018.

Georg Falterbaum fordert die Große Koalition zu zügigem Handeln in sozialen Fragen auf.
Foto: Caritas München

Caritasdirektor Georg Falterbaum begrüßt, dass es nach dem positiven SPD-Mitgliederentscheid bald zu einer arbeitsfähigen Regierung kommt, denn auf der sozialpolitischen Agenda habe sich enorm viel Handlungsbedarf angestaut. „Auch wenn die Hängepartie nun mehr als fünf Monate gedauert hat, ist eine stabile Bundesregierung unabdingbar für eine verlässliche Politik. Nun muss das neue Kabinett schnell die notwendigen Entscheidungen in die Wege leiten, um die soziale Lage für die Menschen im Land zu verbessern“, betont der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising.
 
Zügiges Handeln in sozialen Fragen nötig
Der Koalitionsvertrag enthalte dazu viele gute Ansätze, dürfe aber nicht im Ankündigungsmodus verharren: „Gerade bei den Themen Pflege und Wohnen verbietet sich ein Weiter so. Mit Blick auf den Fachkräftemangel in Pflegeberufen in den Bereichen Alten- und Behindertenhilfe sowie in Kindertagesstätten braucht es einen großen Wurf.“ 8000 neue Pflegekräfte für ganz Deutschland höre sich erstmal viel an. Umgelegt würde das aber zum Beispiel für den Caritasverband in München und Oberbayern bedeuten, pro Einrichtung eine halbe Stelle zu bekommen, rechnet Falterbaum vor: „Diese Sofortmaßnahme ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Das reicht bei weitem nicht.“ Außerdem ließen die Großkoalitionäre völlig außer Acht, mit wem die offenen Stellen bei fehlendem Fachpersonal besetzt werden sollen. „Der Markt für Pflegekräfte und auch der für Erzieherinnen und Erzieher ist leergefegt.“
 
Kreative Lösungen für mehr bezahlbaren Wohnraum nötig
Hinzu komme, dass Wohnen in München und Umgebung für Normalverdiener schier unerschwinglich geworden ist. „Das trifft uns auch als größter sozialer Arbeitgeber in Oberbayern“, moniert Falterbaum. Die Aussagen im Koalitionsvertrag zur Dämpfung des Mietanstiegs und Absenkung der Modernisierungsumlage gingen zwar in die richtige Richtung. Um jedoch vor allem Familien und Alleinerziehenden mehr bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wären auch hier mehr Ehrgeiz und kreative Lösungen wünschenswert, so der Caritasdirektor. „In der Wohnungspolitik, im sozialen Wohnungsbau ist in den vergangenen Jahren viel versäumt worden, hier muss die Politik ein viel höheres Tempo vorlegen.“
 
Positive Ansätze bereits erkennbar
Schön seien im Koalitionsvertrag die Absichtserklärungen etwa für mehr Ganztagsangebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine Investitionsoffensive im Bildungsbereich oder Mehrgenerationenhäuser. „Geholfen ist uns aber mehr, wenn finanzielle Zusagen nachgelegt oder umgesetzt werden.“  (beb)




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