„Die Auseinandersetzung wird härter“

München, 26. September 2018.

CSU-Politiker Hans Theiss (l.) und Caritas-Geschäftsführer Norbert J. Huber.
Foto: Heider / Caritas München

Zu einem intensiven fachlichen und inhaltlichen Austausch hat die Caritas München kurz vor der Wahl in Bayern drei Landtagskandidatinnen und einen -kandidaten eingeladen. Geschäftsführer Norbert Huber konfrontierte die Bewerber auf der Führungskonferenz in München mit den brisanten Caritas-Themen: Fachkräftemangel bei ambulanter und stationärer Pflege, Wohnungsnot, knappe Finanzierung bei der Kinderbetreuung.  „Die politische Auseinandersetzung wird härter“, konstatierte Hans Theiss von der CSU gleich zu Anfang. Der Arzt will sich überwiegend um den Pflegenotstand kümmern und versprach, vor allem im Ballungsraum München gezielt Wohnraum für Pflegekräfte schaffen zu wollen. Offen zeigte er sich für Pflegepersonal aus dem Ausland. „Auch Flüchtlinge müssen eingebunden werden. Dafür kämpfe ich in meiner Partei“, sagte Theiss mit Blick auf restriktivere Auslegungen in der CSU zu diesem Thema. „Wir können niemanden ablehnen, der sich für die Pflegeberufe interessiert“, betonte der CSU-Mann.

Mehr Anerkennung für Pflegeberufe
 
Auch für SPD-Kandidatin Diana Stachowitz ist der Personalmangel bei den sozialen Berufen das drängendste Thema. Selbst gelernte Erzieherin fordert sie bessere Rahmenbedingungen und mehr Anerkennung für die Pflegeberufe sowie die Arbeit in der Gerontopsychiatrie. „Es ist die Aufgabe von Politikern, die Aufmerksamkeit auf Relevantes zu lenken“, so die Sozialdemokratin und nannte bezahlbaren Wohnraum als zweite Priorität. „Es ist wichtig, Wohnungen im Bestand zu halten, wie etwa die Eisenbahnerwohnungen.“ Einer Nachverdichtung will sie Grenzen setzen: „Die Menschen brauchen Raum für Familien, Sport und Begegnung und nicht nur versiegelte Flächen.“

Schließung der Ankerzentren 
Gülseren Demirel, Stadträtin der Grünen in München und Kandidatin fürs Maximilianeum, verlangt eine stärkere Vernetzung der Themen zwischen Bundesland und Kommunen. Gerade die Wohnungsfrage könne gemeinsam besser gelöst werden. Beim Bodenrecht fordert sie eine radikale Reform: Gewinne bei Grundstücken, die ohne Zutun der Eigentümer entstehen, sollten der Allgemeinheit zugutekommen.  Einen „absoluten Eingriff in die Menschenrechte“ sieht die Grünen-Politikerin durch die Einrichtung von Ankerzentren. Sie verlangt deren Schließung. Das sei Grundvoraussetzung für jegliche Koalitionsverhandlungen, so Demirel. Im Kinderbetreuungsbereich will sie auf Landesebene „etwas Ähnliches wie die Münchner Förderformel“. 

Einsatz für die digitale Bildung
Statt Familiengeld mit der Gießkanne zu verteilen lieber Gratis-Kitas, die allen Kindern zugutekommen, ist auch die Forderung der FDP-Frau Julika Sandt. „Bildung ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und die fängt mit der frühkindlichen Förderung an“, bekräftigte die Mutter einer vierjährigen Tochter. Auch die digitale Bildung hat sich die Liberale auf die Fahnen geschrieben: „Medienkompetenz muss schon in der Schule gelehrt und geübt werden, damit die Menschen nicht mehr auf Fake News reinfallen.“ In der Migrationspolitik spricht sich Sandt für Möglichkeiten eines „geregelten Spurwechsels“ aus. „Es werden oft die Falschen abgeschoben“, bedauert die FDP-Politikerin. Umso wichtiger sei die Durchsetzung der 3+2-Regelung. „Und wer eine Ausbildung in einem Pflegeberuf macht, sollte dauerhaft in Deutschland bleiben können“, forderte Sandt. Eine Idee, die auch Geschäftsführer Norbert Huber unterstrich.  Er lud alle Politiker ein, auch künftig im regen Austausch mit der Caritas zu bleiben. (beb/ th)




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