Ein Herz für die Liebe und das Leben: Schauspielerin Katherina Jacob hilft, wo sie kann

Sozialcourage 01/2021 - Frühling

Katherina Jacob mit Marlies Brunner und Yvonne Möller von der Caritas (v.links).
Foto: Müller-Ranetsberger/Caritas München

Sie pendelt zwischen ihrer Wahlheimat Kanada und ihrer alten Heimat Deutschland am Starnberger See. Gerade ist Schauspielerin Katherina Jacob wieder in München und hilft ihrer Freundin Marlies Brunner spontan in der Korbinian-Küche der Caritas. Die patente 62-Jährige spricht völlig unbefangen mit den Frauen und Männern, die sich in dem Imbiss-Wagen in der Münchner City eine warme Mahlzeit abholen. Dick eingepackt, denn es ist bitterkalt an diesem Nachmittag, geht sie mit Tabletts herum, bietet heiße Getränke an und hört geduldig zu. Es sind berührende Geschichten von Menschen, die das Schicksal heftig gebeutelt hat. Viele von ihnen leben seit vielen Jahren auf der Straße und freuen sich über den prominenten Besuch. Manche erkennen die renommierte Künstlerin, die jahrelang in der Serie „Der Bulle von Tölz“ an der Seite von Ottfried Fischer gespielt hat, andere wiederum nehmen kaum Notiz von ihr. Das ist ihr aber auch nicht wichtig. Schließlich gehe es ihr darum „zu helfen, wo der Sozialstaat versagt“.
 
„Wir brauchen eine Rentenreform“
Die Zunahme der Altersarmut findet Jacob bedenklich: „Wir brauchen dringend eine Rentenreform und eine Grundrente, die einen in Ballungsräumen überleben lässt.“ Auch die Wohnungsnot mit den explodierenden Mieten bringt sie in Rage: „In Grevenbroich bekommt man eine Wohnung für 300 Euro, in München nicht mal eine Abstellkammer. Da wünsche ich mir Visionen! Die Gemeinde könnte doch einen Baugrund freigeben, wo man Tiny-Houses aufstellen kann.“ Wenn sie selbst von der staatlichen Rente leben müsste, wäre das unmöglich. „Ich habe mein Geld früh gut angelegt und bin über die Bühnenversorgung abgesichert.“ Besonders traurig sei sie über die mangelhafte Altersversorgung von vielen Frauen. „Wir bekommen nun mal Kinder und stecken deshalb beruflich zurück. Die Kinderzeit müsste eigentlich voll angerechnet werden. Ein Kind großzuziehen und den Haushalt zu versorgen ist auch Arbeit“, empört sich die Mutter einer Tochter und Großmutter.
 
„Unser Beruf ist unmöglich“
Den ersten Corona-Lockdown habe sie mit ihrem Mann in Kanada ausgesessen. „Hier in Deutschland bin erschrocken darüber, dass die Lufthansa Millionen bekommt, aber die Kunst auf der Strecke bleibt. Dass wir nicht als systemrelevant eingestuft wurden ist ein Unding“, kritisiert die Schauspielerin. „Unser Beruf ist unmöglich. Die Existenzängste, die Leidens- und Kritikfähigkeit, die man aufbringen muss, und die permanente Abhängigkeit von anderen. Wenn ich noch einmal neu anfangen könnte, wäre ich gerne Tierpflegerin im Zoo“, sinniert die zweifache Hundehalterin. Ihre Freundin Marlies Brunner ergänzt: „Trauerbegleitung oder Hospizarbeit würde auch zu Dir passen. Du warst immer mit viel Feingefühl für mich da, als es um den Prozess des Abschieds von meinem Mann ging.“ Auch um ihre Mutter, die berühmte Schauspielerin Ellen Schwiers, habe sich Jacob mit viel Geduld und Hingabe bis zu deren Tod im vergangenen Jahr gekümmert
 
„Man muss nicht perfekt sein“
Jacobs Miene erhellt sich, als sie von ihrem Einsatz für die Tiertafeln berichtet, wo Mensch und Tier geholfen werde. „Ich finde ich es nicht richtig, dass es in München kaum Stellen gibt, wo Obdachlose mit Hunden übernachten können.“ Was der lebhaften Künstlerin mit den leuchtend grünen Augen, die ihre Haare nicht mehr färbt und mittlerweile auf Diätpläne pfeift, ebenfalls Sorgen bereitet, ist das Frauenbild in unserer Gesellschaft. „Wir müssen jungen Mädchen unbedingt vorleben, dass man nicht perfekt sein muss. Aus mir ist etwas geworden, obwohl ich keine Kleidergröße 36 trage“, sagt sie und gibt uns noch ein letztes Statement auf den Weg: „Das einzig Gute an Corona ist der Umweltschutz und dass sich die Natur wieder ein wenig von uns Menschen erholen kann.“
 
Marion Müller-Ranetsberger

Spenden für die Korbinian-Küche, die in den Wintermonaten in einer festen Unterkunft am Münchner Hauptbahnhof untergebracht ist:
Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN DE04 7002 0500 8850 0004 00




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