„Förderung nach Postleitzahl beenden“

FFB, 19.9.2018

Posieren für mehr Wohnungen: (v.l.) Stefanie Kabisch, Leiterin des KMFV-Hauses an der Pilgersheimer Straße, Karl Wagner, Leiter des Seniorenheims Vincentinum und Caritasdirektor Georg Falterbaum

Vier Wochen vor der Landtagswahl in Bayern verlangt Caritasdirektor Georg Falterbaum von den Politikern, mehr die sozialen Aspekte im Wahlkampf zu betonen und auch soziale Sensibilität an den Tag zu legen. Beispielhaft nannte er den politischen Streit um das bayerische Familien- und Pflegegeld.
Seit acht Jahren boome die deutsche Wirtschaft, die Steuerquellen sprudelten, „aber bei den am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen kommt davon herzlich wenig an“, stellt Falterbaum fest. „Und wenn dann schon mal die Möglichkeit besteht, die Kinder der Ärmsten der Armen zu unterstützen, sollte der Bund nicht gleich die restriktive Keule rausholen“, bekräftigt der Caritasdirektor und fordert Bundessozialminister Hubertus Heil auf, weder Familien- noch Pflegegeld auf Hartz-IV-Leistungen anrechnen zu lassen.
Der Streit zwischen München und Berlin führt dazu, dass das Familiengeld nur in den zehn sog. Optionskommunen ausgezahlt wird, in allen anderen wird es auf die Grundsicherung angerechnet. „Die Förderung nach Postleitzahl ist unerträglich und muss beendet werden“, mahnt der Vorstandschef des Caritasverbands für München und Oberbayern.
 
Zusammen mit seinen Fachverbänden appelliert der Diözesan-Caritasverband an die Bürgerinnen und Bürger, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen. „Wir wollen den sozialen Zusammenhalt in unserem Land stärken und gesichert sehen“, so Falterbaum und empfiehlt, die Stimme für eine soziale Politik abzugeben.
Solidarität und Mitmenschlichkeit hätten vor allem Arme, Wohnungslose und Flüchtlinge verdient, erklärt der Caritaschef auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stefanie Kabisch, Leiterin des Hauses an der Pilgersheimer Straße, einer Münchner Einrichtung des Katholischen Männerfürsorgevereins (KMFV) sowie Karl Wagner, Leiter des Münchner Senioren- und Pflegeheims Vincentinum.
 
Am Tag der Wohnungslosen fordert Stefanie Kabisch neben einer Wohnungsbau-Offensive auch präventive Ansätze, um Wohnungsverlust zu vermeiden. Der Freistaat sollte analog zu München das Konzept „Erhalt von Mietverhältnissen“ bayernweit einführen sowie eine Vor-Ort-Beratung und medizinische Betreuung für Wohnungslose in möglichst allen Notunterkünften. Kommunen, so Kabisch weiter, sollte die Landes-regierung gezielt unterstützen, um günstige Wohnungen und Grundstücke zu gewinnen und kaufen zu können.
 
Irritiert zeigt sich Caritasdirektor Falterbaum über den Satz von CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer, Migration sei die Mutter aller Probleme.
„Das sehe ich anders“, betont Falterbaum. Migration könnte mit Blick auf den Fach- und Hilfskräftemangel zum Beispiel in Pflegeberufen vielmehr die Lösung zahlreicher Probleme sein. Die bundesweite 3+2-Regelung sei zwar ein guter Ansatz; dennoch würde vielen Asylbewerbern der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verwehrt. „Hier erleben wir eine höchst unterschiedliche Anwendung des Rechts“, von der auch die Caritas als Ausbilderin und Arbeitgeberin betroffen sei. Zu einer erfolgreichen Integrationspolitik gehört für Falterbaum, dass Asylbewerber und Geflüchtete arbeiten dürfen.
 
Karl Wagner, Leiter des Vincentinums, sieht dies genauso: „Wir suchen händeringend Fachkräfte und bekommen kaum Bewerbungen von Deutschen. Wir können die Geflüchteten gut brauchen.“ In seinem Seniorenheim hat er beste Erfahrungen mit Mitarbeitern gesammelt, die einen Fluchthintergrund haben. Drei Syrer, eine Somalierin, eine Nigerianerin sowie eine Syrerin im Ehrenamt („weil sie keine Arbeitserlaubnis bekommt“) sind im Vincentinum beschäftigt. „Das sind engagierte, lernbegeisterte Menschen mit hoher sozialer Kompetenz“, erläutert Wagner und spricht von einer echten „Win-Win-Situation“.

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