Manchmal braucht es mehr als finanzielle Unterstützung

Sozialcourage 1/18: Caritas München und Oberbayern

Trotz vieler Rückschläge lässt sich diese Familie nicht unterkriegen.
Foto: Caritas München

Junge Familie sucht dringend Hilfe bei der Kinderbetreuung
 
Eine große, beeindruckende und sehr attraktive Frau rauscht in die Wohnung in der Münchner Fasanerie und sofort sprüht alles vor Leben. Baby (so ihr echter brasilianischer Vorname) übernimmt das Kommando und erzählt, wie sie ihrem Mann, einem Münchner Oralchirurgen, vor einiger Zeit kurzentschlossen erklärt hat, dass sie in ihrem Beruf als Leiterin eines Kindergartens nicht mehr arbeiten, sondern lieber künftig armen Familien helfen möchte. Seither kümmert sie sich mit noch mehr Zeit und Hingabe um Carina und ihre beiden Kinder. Carina ist aus Portugal nach München gekommen, um zu arbeiten. Hier hat sie ihren Mann kennengelernt und nach einigen Fehlgeburten einen gesunden Buben zur Welt gebracht. Bis dahin war alles in Ordnung. Erst mit Gaby, die von Geburt an schwer krank ist, geriet ihre kleine, heile Welt völlig aus den Fugen. Gaby leidet am Pallister-Hall-Syndrom, einer sehr seltenen und unheilbaren Fehlbildung. Ihr fehlen Organe und Körperteile, wie einige Finger und Zehen, und sie hat so gut wie gar kein Abwehrsystem. Von Anfang an war die Kleine ununterbrochen im Krankenhaus. Carina selbstverständlich immer an der Seite ihrer Tochter. Zu viel für den Familienvater. Er setzte seine Familie einfach auf die Straße. „Ohne Baby wäre ich nicht mehr auf dieser Welt“, sagt Carina und schaut ihren menschlichen Schutzengel mit großen traurigen Augen an. Die hübsche, sauber und adrett gehaltene Wohnung in der Münchner Fasanerie hätte sie ohne Baby ebenfalls nicht bekommen. Deren Ehemann hat beim Vermieter ganz selbstverständlich für die Miete gebürgt. Die 45-jährige Baby und ihr soziales Netzwerk sind es auch, die den siebenjährigen Sergio immer wieder auffangen, wenn Gaby von einer auf die andere Minute hohes Fieber bekommt und sofort mit ihrer Mutter in die Klinik muss, um zu überleben.
 
Geschwister kommen zu kurz
Stefan Habigt von der Offenen Behindertenarbeit im Caritas-Marianum bestätigt, dass die alleinerziehende Mutter in höchster Not ist: „Auch wir haben in Zusammenarbeit mit dem Bezirkssozialamt immer wieder versucht, bei Krankenkassen, Pflegeanträgen und anderen bürokratischen Erfordernissen zu helfen“, erklärt der 28-jährige Sozialarbeiter. Nachbarschaftshilfen, Ehrenamtliche oder Familienpflege habe man versucht zu vermitteln, aber bislang leider keine gute und langfristige Lösung gefunden. Sergio schnappt sich während unseres Gesprächs Babys Handy und schaut sich begeistert Fotos von ihren großen Kindern und den Hunden an. Der Siebenjährige, der immer zu kurz gekommen ist, besucht eine Förderschule in München, wird morgens abgeholt und nachmittags wiedergebracht. „Er ist leider weit in seiner Entwicklung zurück, weil er stets von einer Person zur nächsten geschoben wurde, wenn Carina mit Gaby in die Klinik musste“, erklärt Baby. Sie wünsche sich so sehr eine feste Bezugsperson, die ab und zu am Wochenende für zwei Stunden etwas mit dem kleinen Jungen unternimmt. „Optimal wäre es, wenn wir auch jemanden hätten, der spontan bei Sergio bleiben kann, wenn seine Mutter nicht da ist. Ihm abends etwas zu essen macht und ihn morgens in den Bus setzt.“ Er sei ein lieber kleiner Bub, sagt Baby und bemüht sich, gleichzeitig Gaby zu verstehen, die ihr in eigener „Gaby-Sprache“ etwas erzählt. Die Fünfjährige hat erst kürzlich einen Platz in der Pfennigparade bekommen.
 
Menschliche Hilfe ist gefragt
Nachdem Carina durchgehend mit ihrer kranken Tochter beschäftigt ist, hat sie kaum Zeit für Sergio, für sich selbst oder für einen Sprachkurs. Sie spricht portugiesisch mit Baby und die couragierte Brasilianerin übersetzt für mich. Zur Sorge um die Kinder kam jetzt noch ein Tumor in ihrem Bein, der schnell operiert werden musste. Ich möchte wissen, was Carina sich am meisten wünscht. Der bescheidenen und stillen Frau fällt auf Anhieb nichts ein. Vielleicht liegt es daran, dass sie kaum materielle Wünsche hat. Baby erklärt mir, dass Carina so gerne für eine Woche zu ihrer Familie nach Portugal reisen würde. „Ich würde ihr die Flugtickets sofort kaufen, aber wir bräuchten dringend eine Krankenschwester, die sich in dieser Woche um Gaby kümmert.“ Vor allem Carina versteht, was ihre kleine Tochter meint, die sich wegen ihrer Kiefer-Gaumenspalte nur schwer artikulieren kann und mit Brei oder einer Sonde ernährt werden muss. Es ist schon dunkel draußen und der Besuch dauert länger als geplant. Gaby schleppt, pünktlich wie jeden Abend um 19 Uhr, Windeln und Brei an. „Ach ja, wir könnten auch Windeln in Größe 4plus gebrauchen. Die sind ziemlich teuer. Und einen Schrank für das Spielzeug der Kinder“, sagt Baby und freut sich, dass Gaby, Carina und Sergio heute einen ihrer seltenen guten und unbeschwerten Tage haben.

Marion Müller-Ranetsberger

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