Pflegekräfte brauchen Rückhalt – eine App trainiert Resilienz

Sozialcourage 03/2021 - Herbst

Eine Handy-App kann bei helfenden Berufen die psychische Widerstandskraft (Resilienz) trainieren.
Foto: Kim Pfeiffer/Caritas München

„Arbeitnehmende in der ambulanten und stationären Pflege leiden alarmierend häufig oft an psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Burnout und nicht erst seit Corona sind die belastenden Bedingungen bekannt, unter denen Pfleger und Pflegerinnen seit Jahren arbeiten“, berichtet Theresa Hirtreiter-Hochbach, Referentin für Innovation und Organisationsentwicklung im Diözesan-Caritasverband. Neben der Notwendigkeit, diese Bedingungen zu verändern, sei die Stärkung der psychischen Widerstandskraft in helfenden Berufen auch unabhängig von einer pandemiebedingten Krise wichtiger Bestandteil von Gesundheitserhaltung und -förderung am Arbeitsplatz. „Um die Resilienz besonders belasteter Caritas-Mitarbeitender zu stärken, haben die Caritas-Zentren Oberbayern im Rahmen des bundesweiten Hackathons #wirvsvirus (siehe Kasten) die Resilienz-AppSingleton Care“  für die Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege in einem Pilotprojekt entwickelt“, berichtet die Caritas-Expertin. In einer erweiterten Version sollen demnächst auch Beraterinnen und Berater im sozialen Bereich die Anwendung nutzen können. Hier liege der Fokus vor allem auf der frühzeitigen Erkennung von Sekundärtraumata von Beratenden, die durch die Arbeit mit traumatisierten Ratsuchenden selbst psychisch schwer belastet seien. 

Achtsamkeitsübungen spielerisch mit dem Smartphone
Ausgehend von modernen Ansätzen der gamifizierten Lernbegleitung, der Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge, integrieren die App-Nutzer/-innen spielerisch und praktisch ohne zusätzlichen Aufwand kleine Aufgaben in ihren Arbeitsalltag – wie etwa Achtsamkeitsübungen. Diese bleiben nachhaltig in Erinnerung, werden langfristig beibehalten und führen Schritt für Schritt zum Aufbau von Resilienz“, begeistert sich Hirtreiter-Hochbach. Die Erarbeitung des Ansatzes „Singleton“ gehe auf die langjährige Forschung des gamelab.berlin an der Humboldt-Universität in Berlin zurück und nutze gezielt motivationssteigernde Spielmechaniken. Pflegekräfte in der ambulanten Pflege im Diözesan-Caritasverband, die am Probelauf teilnahmen, äußerten sich sehr wohlwollend, was die digitale Unterstützung betrifft: Die Stimmen reichten von „Die App hat definitiv meinen Umgang mit Stress verbessert“ über „Innehalten bringt 1000 Mal mehr, als wenn ich mich hetze“ bis hin zu  „Der Ansatz ist supertoll!”.

Info
Hackathon ist eine Wortkreation aus “Hack” und “Marathon” und beschreibt eine Zusammenkunft mehrerer Personen oder Vereinigungen. Innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums sollen dabei kreative und gemeinnützige Lösungen für Problemstellungen erarbeitet werden, meist im digitalen Bereich. Im Coronajahr 2020 fand der Hackathon #wirvsvirus statt, initiiert von ProjectTogether und gefördert durch die Bundesregierung. 28.000 Menschen nahmen daran teil und reichten rund 2.000 innovative Lösungen für Probleme in der Pandemiezeit ein. 


Text: Axel Hannemann, Geschäftsleiter Caritaszentren Oberbayern
Kontakt: Axel.Hannemann@caritasmuenchen.de




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