Rotes Rollermobil fördert mehr als die soziale Integration

Sozialcourage 3/2019 - Herbst

Foto: Rätz/Caritas München

Dienstags und freitags fährt eine rote Ape durch Freising. Am Steuer sitzen entweder Mario Altmann oder Robert Maier, beides pädagogische Arbeitsanleiter der Caritas-Beschäftigungsbetriebe. Im dreirädrigen 3-PS-Gefährt mit Kastenaufbau transportieren die Caritas-Mitarbeitenden seit Anfang 2019 einen großen Topf Suppe. Ihr Ziel: Einer der Freisinger Brennpunkt-Treffpunkte, an denen sich Jungendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren aufhalten, die auch langzeitarbeitslos sein können, die aber vor allem ohne soziale Anbindung sind. Bei Suppe und Kaffee wollen die Arbeitsanleiter niedrigschwellig ins Gespräch kommen. Langfristig sollen diejenigen, die regelmäßig kommen, in die Gesellschaft zurückgeführt werden. Wir waren auf eine Suppe-to-go dabei:                 

Dienstag, 16.00 Uhr, unter einer Freisinger Brücke: Mario Altmann parkt die Ape. Dort wird er bereits von einer kleinen Gruppe junger Erwachsener auf ihren Fahrrädern und einem Freisinger Streetworker erwartet. Nachdem der Ape-Fahrer ausgestiegen ist, begrüßt sich die Runde per Handschlag. Dann öffnet Altmann die Klappe und zieht einen 10-Liter-Suppentopf zur Öffnung. „Heute gibt es Zucchinisuppe“, verkündet er. Er greift zu den kompostierbaren Suppenschalen und den Löffeln, verteilt beides unter den Wartenden und schöpft alle Teller voll. „Die hat unser Koch Patrick im Caritas-Buchcafé Etappe zubereitet“, so Altmann.

Bei Kaffee und Suppe ins Gespräch kommen
„Die Suppe ist wunderbar“, strahlt Oğuz, während er isst. Er ist einer der 33 Besucher, die bislang auf das rote Caritas-Gefährt und das neue Angebot aufmerksam geworden sind. Er sei quasi seit der ersten Stunde dabei und nutze zweimal pro Woche die Chance, um an der Ape zu essen und zu plaudern. „Nicht nur die Suppe schmeckt jedes Mal sehr gut, auch die Bereitsteller, wie zum Beispiel Mario, sind sehr sympathisch“, berichtet der Freisinger, der gerade eine Umschulung macht. Bei einem Kaffee erzählt er weiter, dass der Streetworker vom Projekt erzählt und ihn damals erstmals zum Treffpunkt gebracht hätte. „Seither haben wir auch schon mal Leute direkt von der Straße zur Ape mitgenommen“, sagt Oğuz. „Das Suppenmobil ist wirklich super“, schwärmt der junge Mann. „So eines ist für alle Städte oder Gemeinden zu empfehlen.“ Er will auch im Sommer zum Halteplatz des Minitransporters kommen, wenn es vielleicht eine Alternative zur Suppe gibt. „Dann wären ein Käsebrot, eine Leberkässemmel oder eine Breze gut. Und Campingstühle, ein Tisch und vielleicht etwas Musik ...“, redet er sich in Fahrt. Mario Altmann lacht und meint: „Für die Sommermonate überlegen wir neben Erfrischungsgetränken tatsächlich belegte Brote oder Pizza mitzubringen.“ Jetzt ist Oğuz' Kaffeebecher leer. Ein Signal dafür, dass es Zeit für den Aufbruch wird. Die Stunde ist wie im Flug vergangen. Alle schwingen sich aufs Rad, rufen „Bis Freitag!“ und schieben ein „Servus“ hinterher. „Pfiats eich!“, verabschiedet sich Mario Altmann und bringt die Suppen-Ape zurück zum Parkplatz des Caritas-Gebrauchtwarenhauses Rentabel, wo es bis zum Freitagnachmittag auf seinen nächsten Einsatz wartet.
 
Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt als langfristiges Ziel
Bereits im Dezember 2018 hatte die Ape ihre Premierenfahrt. „Damals, passend zur Weihnachtszeit, mit Lebkuchen und alkoholfreiem Punsch“, berichtet Fachdienstleiterin Andrea Lachner. Sie und ihr Team haben das innovative Projekt im Brainstorming-Verfahren entwickelt, für das sie mit der Caritas-Beratungsstelle für Kinder, Jugend und Familie, dem hiesigen Jobcenter und dem Jugendamt kooperieren.

Der Hintergrund: Mit „MyWay“ soll vor allem die junge Generation niederschwellig und anonym abgeholt und aufgefangen werden, die keine Schulausbildung oder keinen Ausbildungsplatz hat, aber auch nicht beim Jobcenter oder woanders gemeldet ist und durchs Netz fallen würde. „Der regelmäßige Kontakt zu unseren Arbeitsanleitern soll die Suppenmobil-Besucher ins Sozialkaufhaus Rentabel oder ins Buchcafé Etappe bringen. Dort finden Menschen mit multiplen Problemlagen eine Beschäftigungsmöglichkeit mit pädagogischer Begleitung. Im Etappe haben wir dafür eine halbe Sozialpädagogenstelle. Etabliert es sich, dass sich so langzeitarbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene in einem unserer Beschäftigungsbetriebe einbringen, dann besteht die Chance, dass das einjährige Pilotprojekt dauerhaft in Freising bestehen bleibt und auch langfristig die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt kein Traum bleibt“, berichtet Lachner.

Text: Valentina-Anna Rätz




zur Übersicht wechseln


Suche nach Angeboten
und Dienstleistungen
Online-Spenden

Unterstützen Sie wohnungslose Menschen. Spenden Sie jetzt!

Jetzt spenden!