Unverzichtbare Helfer: Mehr als 2000 engagierte Menschen im Bundesfreiwilligendienst der Caritas

Sozialcourage 01/2021 - Frühling

Im Einsatz für die Caritas: Jana Heim, Josefine Walter und Johanna Uhrich (v.l.).
Foto: Caritas München-Freising

„Es ist einfach toll, Menschen zu helfen“, schwärmt Jana Heim von ihrer neuen Aufgabe im Treffpunkt 50+. Die 19-Jährige aus Markt Indersdorf absolviert elf Monate im Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Caritas Dachau und engagiert sich bewusst für die ältere Generation. Sie organisiert Wanderungen oder Radtouren, hilft im Erzählcafé oder bei Sport- und Sprachkursen, gestaltet das Programm mit. „Ich arbeite sehr eigenverantwortlich und kann eigene Ideen einbringen.“ Der Treffpunkt 50+ ist eine Anlaufstelle für Menschen ab der Lebensmitte aus dem Landkreis Dachau, die allein sind, die Kontakt und Gesellschaft suchen, die ihre Erfahrungen und Interessen kreativ mit anderen teilen möchten. „Ich finde es schön, mich für ältere Menschen zu engagieren, ihre Geschichten zu hören und sie ein wenig aus ihrer Einsamkeit zu holen“, erzählt Jana Heim. Und: „Als Bufdi kann ich die Arbeitswelt ausprobieren und merke sehr schnell, wo meine Stärken liegen.“

BFD: Wertvoll für die berufliche und persönliche Orientierung
„Wir stemmen den Treffpunkt 50+ mit gerade mal einer halben Stelle“, berichtet Heidi Schaitl, Kreisgeschäftsführerin der Caritas in Dachau. „Deshalb sind wir sehr dankbar, dass wir mit Jana solch eine große Hilfe haben, die viel Selbstorganisation abverlangt.“ Für die Kreisgeschäftsführerin steht fest: „Die Bufdis sind unverzichtbar.“ Sie brächten neben Impulsen auch neue Kompetenzen mit, zum Beispiel digitale Fähigkeiten, die äußerst hilfreich seien. Und für die jungen Menschen seien die Freiwilligendienste eine wertvolle Zeit der beruflichen und persönlichen Orientierung.

Neue Bereiche kennenlernen: Arbeit mit psychisch Erkrankten statt Jugendarbeit
Bei der Caritas steht den Bufdis das ganze Spektrum der sozialen Arbeit offen. „Ich wollte nach dem Abi nicht direkt an die Uni, sondern was Praktisches arbeiten und mich gesellschaftlich engagieren“, berichtet Johanna Uhrich aus Emmering. Über die evangelische Jugend kennt die 18-Jährige die Kinder- und Jugendarbeit. Sie wollte einen anderen Bereich ausprobieren und fing bei ProBe an, einer Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Hilfe zur Selbsthilfe steht hier im Vordergrund, tagesstrukturierende Angebote, um die Klienten/-innen psychisch zu stabilisieren und sozial einzubinden. Also kocht Johanna Uhrich täglich mit ein oder zwei Klienten, geht mit ihnen spazieren und führt Gespräche. In Gruppen wird gebastelt oder gespielt. Auch Dokumentations- und Büroarbeit gehört zum Aufgabenspektrum der jungen Freiwilligen. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, später einmal in diesem Bereich zu arbeiten“, resümiert Johanna Uhrich schon nach wenigen Wochen.

Unsere 2000. Freiwillige im BFD hilft in der Asyl- und Migrationsberatung
„Die Caritas hat mich wegen der christlichen Werte angesprochen“, sagt Josefine Walter aus Dachau. Sie hat am 1. Oktober als Bufdi in der Asyl- und Migrationsberatung der Caritas Dachau angefangen. Ihre Beweggründe sind vielfältig: „Lebens- und Studienorientierung. Ich möchte erleben, wie ich an neuen Aufgaben wachse und gleichzeitig etwas von dem Glück, das ich erfahren durfte, zurückgeben.“ Die Abiturientin kümmert sich um geflüchtete Menschen, hilft ihnen bei Bewerbungen und dem Schreiben von Lebensläufen. Auch bei Beratungsgesprächen ist sie schon dabei.

Josefine Walter ist die 2000. Freiwillige im BFD beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising, wie Caritasdirektor Georg Falterbaum jüngst nicht ohne Stolz bei einer Pressekonferenz bekanntgab. „2000 Bufdis in zehn Jahren sind eine stattliche Zahl.“ Der Verbandschef ist voll des Lobes für die engagierten Menschen im Bundesfreiwilligendienst: „Sie bringen viel Motivation und frischen Wind in die Einrichtungen.“ Caritas-Arbeit funktioniere nur mit engagierten Menschen. Deswegen sind für Falterbaum die Freiwilligendienste auch ein „Herzensanliegen“. Ein weiterer Aspekt ist die Mitarbeitergewinnung: Caritas-Luft zu schnuppern und mit Menschen zu arbeiten, habe schon manchen überzeugt, dauerhaft bei dem Sozialverband zu bleiben. Fast drei Viertel der Freiwilligen können sich vorstellen, weiterhin in der Einrichtung zu arbeiten, in der sie eingesetzt waren. Knapp die Hälfte beginnt nach dem BFD eine Ausbildung im sozialen Bereich – als Heilerziehungspfleger/-in, in der Altenpflege oder in einer Kindertageseinrichtung. Und jeder Fünfte schreibt sich für ein Studium der Sozialen Arbeit ein. „Viele Erzieherinnen oder Sozialberater haben als BFDler bei uns angefangen“, so Falterbaum.

Einsatz der BFDler wird sehr geschätzt
Zum Gelingen der Freiwilligendienste tragen entscheidend die Anleiterinnen und Anleiter bei, die sich intensiv um die engagierten Hilfskräfte kümmern. „Schutz und Fürsorge“ nennt das Irmgard Wirthmüller, die als Fachdienstleiterin in der Migrationsberatung die jungen Menschen begleitet. „Wir legen Wert darauf, dass die Freiwilligen nicht überfordert werden“, betont sie, „vor allem in herausfordernden Arbeitsfeldern.“ Ein Bufdi sei nie allein. Sie schätzt den Einsatz der Dienstleistenden sehr: „Das Schöne ist: Wenn die Bufdis kommen, kommen neue Fragen. Sie bringen den Blick von außen mit und neue Ideen ein.“

Caritas begleitet professionell durch den freiwilligen Einsatz
688 Euro mit allen Zulagen erhalten die Bufdis im Monat, nicht gerade viel in einem teuren Ballungsraum wie der rund um München. Ein wesentlicher Benefit ist aber die professionelle Begleitung durch die Caritas. „Es gibt von uns vier Bildungsseminare“, erläutert Daniel Pojda, der als Bildungsreferent für die derzeit 138 Bufdis der Caritas zuständig ist. „Da geht es ums Kennenlernen, um Rechte und Pflichten, das Erlernen von professioneller Nähe und Distanz, um Berufsbildung, Teamarbeit, Reflexion und vieles mehr.“ 
Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl rechnet vor, dass bislang 64 Bufdis allein in den Dachauer Einrichtungen gearbeitet haben. Etliche Dienste könnten sonst nicht in dem angebotenen Umfang geleistet werden. „Die Bufdis spenden uns ihre Zeit“, freut sich Heidi Schaitl. „Das ist ein großes Geschenk.“ Aber auch Geldspenden helfen, um bedürftige Menschen in den Caritas-Einrichtungen und Diensten gerade in der Weihnachtszeit zu unterstützen.

Bettina Bäumlisberger




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