„Wir brauchen keine Kontrolleure, sondern zupackende Hände“

München, 22. Dezember 2020

München, 22. Dezember 2020. Der Caritasverband der Erzdiözese München und
Freising e.V. zeigt sich über die von Ministerpräsident Markus Söder ins Auge gefasste neue
Spezialeinheit zur Kontrolle der Altenheime einigermaßen fassungslos. „Wir brauchen keine
Überwachung durch den Staat. Wir brauchen tatkräftige Unterstützung und Hände, die zupacken
– ob in der Pflege, bei den Schnelltest oder bei der Impfung“, verlangt Caritas-Vorständin
Gabriele Stark-Angermeier. Doris Schneider, Geschäftsführerin der 27 Caritas-Altenheime
in München und Oberbayern, bekräftigt: „Wir sind am absoluten Limit. Seit zehn Monaten
arbeiten wir im Krisenmodus. Überall fehlt Personal und trotzdem übernehmen wir fast
wöchentlich neue Aufgaben, die der Staat anordnet.“ Nach den besonderen Hygienemaßnahmen
für die Besucher seien die Schnelltests fürs Personal, dann die Schnelltests für Besucherinnen
und Besucher angeordnet worden, zählt Schneider auf. Natürlich seien diese
Schutzmaßnahmen sinnvoll. „Aber ich muss mein Personal im Blitzkurs schulen lassen, damit
es bei Bewohnern, Besuchern, Kolleginnen und Kollegen Abstriche aus Nase und Rachen
nehmen und auf das Sars-CoV-2-Virus testen kann, statt zu pflegen“, echauffiert sich
Schneider. „Direkt nach Weihnachten sollen wir dann die Impfungen organisieren.“
Söders Kontrolltruppe „empfinden die Pflegekräfte der Caritas als nicht gerade wertschätzend“,
sagt Doris Schneider. „Frech und unverschämt“ fänden ihre Mitarbeitenden die Ankündigung
aus der Staatskanzlei. „Wir tun seit März alles Menschenmögliche, um das
Corona-Virus abzuwehren“, so Schneider. Von der Politik fordert sie mehr Organisationsarbeit
und endlich konkrete Hilfe: „Statt Sonntagsreden zu halten, Schutzversprechen für Pflegeheime
abzugeben oder Berater und Kontrolleure zu schicken, erwarte ich von Söder und
Pflegeministerin Melanie Huml, dass sie mit jeder Allgemeinverfügung gleich das pflegerisch
versierte Personal mitliefern.“ Für die im Sommer aus ihrem Urlaub zurückkehrenden Touristen
sei dies ja auch möglich gewesen. „Die Politik macht sich einen schlanken Fuß, wenn sie
im Wochenturnus neue Vorgaben macht, ohne die dafür benötigten Personalkapazitäten zur
Verfügung zu stellen.“
Insbesondere die Führungskräfte, die alles vor Ort organisieren müssten, seien am Anschlag,
fährt die Geschäftsführerin fort. Viele Fragen rund um die Impfung kämen jetzt auch
noch dazu und dies über die Weihnachtsfeiertage. Doris Schneider: „Wir können keine Antworten
geben, etwa über mögliche Erleichterungen für die Bewohnerinnen und Bewohner,
die sich impfen lassen und sollen trotzdem alle motivieren und den umfangreichen Organisationsaufwand
stemmen.“ Gleichzeitig werde versucht, auch die Aufklärungsarbeit zu den
Impfungen auf die Einrichtungen abzuwälzen und im Zweifelsfall das Haftungsrisiko auf die
Altenheime abzuschieben. „Das Maß der Belastung für die Altenheime ist mehr als voll. Wir
wissen in vielen Fällen nicht mehr, wie wir über die emotional hoch belasteten Weihnachtsfeiertage
kommen sollen“, so Schneider abschließend. (beb)




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