„Wir können fast immer helfen“

Sozialcourage 3/2019 - Herbst

Foto: Caritas München

Sympathisch, freundlich und gelassen wirkt er – wie jemand, auf den man sich verlassen kann. Fast dreißig Jahre ist es her, dass Sozialpädagoge Michael Schütz in Freiburg die Weiterbildung zum Schuldnerberater gemacht hat. Seitdem ist er für die Caritas Miesbach in dem Bereich tätig. „Damals bin ich sozusagen in die Tätigkeit hineingerutscht“, erzählt er. „Ich war früher beim Katholischen Männerfürsorgeverein, viele der Klienten hatten finanzielle Probleme und immer wieder Besuch vom Gerichtsvollzieher.“ Beim Durcharbeiten von Bergen von Unterlagen und in der Zusammenarbeit mit dem Gerichtsvollzieher habe er gemerkt, dass ihm die Arbeit liegt. Diese Verbindung von Recht und persönlichem Schicksal fand er damals wie heute spannend.                 
„Mir gefällt meine Arbeit sehr, weil man als Schuldnerberater in der Lage sein sollte, Menschen in Schwierigkeiten unmittelbar mit ersten Maßnahmen zur Seite zu stehen. Der Schutz vor Pfändung, auf den jeder Schuldner ein Anrecht hat, ist ein gutes Beispiel. Viele Leute kennen ihre Rechte nicht genau. Wenn ich einem völlig aufgelösten Menschen durch den Verweis auf das, was ihm zusteht, wieder neuen Mut machen kann, ist das schon ein schönes Gefühl“, beschreibt Schütz seine Motivation.
 
Hobbys sorgen für Ausgleich
Um die 6000 Menschen unterstützen er und seine Kollegen von der Caritas im Jahr. Von den Klient(inn)en, die übrigens vom Hilfsarbeiter bis zur Professorin reichen, komme sehr viel Dankbarkeit zurück. Von einem Ehepaar aus Garmisch, das er in einem Insolvenzverfahren unterstützt hat, bekomme er zum Beispiel jedes Jahr eine Weihnachtskarte. Die Einzelschicksale gingen ihm allerdings oftmals ziemlich unter die Haut. „Eine meiner Klientinnen war eine Dame mittleren Alters, die eigentlich in einer stabilen wirtschaftlichen Lage war – berufstätig und Besitzerin einer Eigentumswohnung.“ Dann habe sie unverschuldet ihren Job verloren, in der Folge dann die Wohnung, und schließlich vor lauter Verzweiflung versucht, sich das Leben zu nehmen. „Glücklicherweise hat sie durch vielfältige Hilfen ihre Situation, auch die finanzielle, wieder in den Griff bekommen. Solche Geschichten vergisst man natürlich nie“, bemerkt Schütz. Der dreifache Familienvater versucht dennoch, die Arbeit nicht allzu oft mit nach Hause zu nehmen. „Mir hilft es, mich daheim mit völlig anderen Dingen zu beschäftigen. Ich habe ein Faible für antiquarische Bücher, die helfen mir beim Abschalten, genauso wie Gespräche mit meiner Frau.”
 
Kein Gedanke an die Rente
Obwohl er jetzt schon seit fast dreißig Jahren in der Schuldnerberatung tätig ist, denkt Michael Schütz nicht wirklich ans Aufhören. „Ich mach jetzt vielleicht noch zwei, drei Jahre, und dann werde ich mich ehrenamtlich weiterhin engagieren. Ich bin mittlerweile selbst an der Weiterbildung, die ich damals in Freiburg gemacht habe, beteiligt, da kann ich mir gut vorstellen, weiterzumachen. Es gibt eh gerade im Münchner Bereich relativ wenig Schuldnerberater, obwohl mehr als genug Leute in finanziellen Schwierigkeiten stecken“, merkt er kritisch an. In Deutschland seien Geldprobleme immer noch viel stärker tabuisiert als zum Beispiel in den USA, vielen falle es schwer, darüber zu reden. „Das ist so schade, denn denen, die ihre Hemmschwelle überwunden haben, konnten wir bisher fast immer weiterhelfen.”

Mehr Informationen über die Schuldner-Beratungsstellen des Diözesan-Caritasverbands finden Sie online unter https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/schuldner-und-insolvenzberatung.
 
Text: Daniel Gummert




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