Mitarbeitende sind das Herzstück sozialer und pflegerischer Arbeit

Soziale Arbeit und Pflege sind systemrelevant –          
Das ist eine Arbeit von Menschen, mit Menschen und für Menschen.

Die Corona-Pandemie hat diesen Bereich deshalb im Kern getroffen. Mitarbeitende mussten plötzlich erleben,
  • dass ihre Arbeit ein hohes, persönliches Gesundheitsrisiko einschließt,
  • dass sie besonders gefordert sind, während sich andere ins Homeoffice zurückziehen können,
  • dass sie plötzlich eine hohe gesellschaftliche Anerkennung erfahren, welche aber nichts an der übergroßen Belastung, den erschwerten Arbeitsbedingungen, dem zeitweisen Mangel an Schutzausrüstung oder einem teilweise fehlenden Impfangebot geändert hat.
 
Beschäftigte leisten seit über einem Jahr Großartiges.
  • Sie sorgen dafür, dass die Bewohner/-innen in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe, der Eingliederungshilfe oder der Kinder- und Jugendhilfe gut betreut werden und die fehlenden Kontakte sowie die psychischen Zusatzbelastungen so gut wie möglich aufgefangen werden.
  • Sie sorgen dafür, dass die ambulanten Hilfen, dank kreativer Lösungen und neuer Formate, weiterhin zur Verfügung stehen und Menschen in der Krise nicht allein gelassen werden – trotz plötzlich schwer erreichbarer behördlicher Stellen.
  • Und sie sorgen dafür, dass neue Hilfsangebote entstehen für Menschen, deren prekäre Lebenssituationen sich durch die Auswirkungen der Pandemie weiter verschärfen.
Zukunftsorientierte Personalarbeit hat höchste Priorität
Die Corona-Pandemie hat wie durch ein Brennglas gezeigt, wie sehr es auf die Mitarbeitenden in der Sozialen Arbeit und Pflege ankommt. Und sie hat erkennen lassen, welche Folgen es hat, wenn Ehrenamtliche nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung stehen.
Die Pandemie hat den Trägern sehr eindrucksvoll vor Augen geführt, wie überlebenswichtig es für soziale Dienste und Einrichtungen ist, qualifizierte und engagierte hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Der demografische Wandel bringt zusätzliche Herausforderungen.
 
Eine zukunftsorientierte Personalarbeit bedeutet für uns in der Caritasfamilie:
Personal vorausschauend gewinnen, binden und weiterentwickeln – auch mit trägerübergreifenden Maßnahmen.
  • Dazu gehört die Akquise neuer Zielgruppen, auch von Berufsrückkehrern/-innen sowie die verantwortbare Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland.
  • Wesentliche Faktoren für Mitarbeitende sind gute Arbeitsbedingungen und ein angenehmes Arbeitsklima. Deshalb gehören flexible, lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle, ein betriebliches Gesundheitsmanagement sowie die stete Weiterentwicklung von Arbeitsmethoden und Strukturen zu den Kernthemen der Personalarbeit.
  • Dies gilt für hauptamtlich Beschäftigte ebenso wie für die Arbeit mit Ehrenamtlichen. Auch ehrenamtlich Helfende wünschen sich interessante und zukunftsorientierte Aufgaben, damit sie sich langfristig in unseren Einrichtungen und Diensten engagieren.
Angemessene Bezahlung und bedarfsorientierte Qualifizierung
Die Bedeutung sozialer und pflegerischer Arbeit muss sich im Gehalt der Mitarbeitenden niederschlagen sowie in einem bedarfsorientierten Personalschlüssel. Die Träger brauchen dafür verlässliche und kostendeckende Finanzierungen. Benötigt werden zudem ausreichende Ressourcen für Ausbildungs‑, Umschulungs- und Nachqualifizierungsmaßnahmen. Eine angemessene Bezahlung sowie Investitionen in das Personal von morgen muss allen Trägern gleichermaßen möglich sein.
 
Gute Rahmenbedingungen für Leitungskräfte
Eine besondere Verantwortung tragen Leitungskräfte, ihnen muss ein besonderes Augenmerk gelten. Gerade in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, was die Leitungskräfte vor Ort stemmen müssen und welche herausragenden Führungsqualitäten sie an den Tag legen. Sie werden mit unterschiedlichsten Anforderungen durch Mitarbeitende, Betreute, Angehörige und behördliche Stellen konfrontiert. Um diesen immer gerecht zu werden, müssen die Arbeitsbedingungen von Leitungskräften in einigen Bereichen deutlich verbessert werden. Dazu gehören neben der Anpassung der Eingruppierung eine Überprüfung bürokratischer und rechtlicher Auflagen sowie eine wertschätzende Zusammenarbeit von Seiten der Kontrollbehörden.
 
Ehrenamt attraktiv halten
Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentlicher Faktor für eine humane Gesellschaft. Ehrenamtliche ergänzen die professionellen Dienste und bringen wertvolle Zeit und vielfältige Talente ein. Ehrenamt ist aber kein Selbstläufer. Damit Ehrenamt attraktiv bleibt, muss es gut begleitet werden. Wir brauchen daher ausreichende hauptberufliche Ressourcen und unterstützende Rahmenbedingungen, damit Menschen ihre Talente und ihre Zeit im Rahmen eines Ehrenamtes für andere Menschen einsetzen wollen und können.
 
Bezahlbaren Wohnraum schaffen
Eine große Herausforderung sind die hohen Mietpreise in der Region Oberbayern. Viele Mitarbeitende im sozialen und pflegerischen Bereich können sich das Wohnen am Arbeitsort nicht leisten. Deshalb braucht es noch größere Anstrengungen bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Dazu gehören ein gemeinnütziger Bereich im Wohnungsbau in Ballungsräumen sowie Förderungen, um Personalwohnungen zu schaffen. Auch der Ausbau bedarfsgerechter familienunterstützender Dienstleistungen ist ein wichtiger Baustein.
 
Förderung der notwendigen Digitalisierung
Die Digitalisierung ist ein großes Zukunftsthema unserer Gesellschaft und damit auch der sozialen und pflegerischen Arbeit. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie schnell Menschen ausgeschlossen werden, wenn ihnen die technische Ausstattung bzw. das erforderliche Knowhow fehlen. Zugleich wurde sichtbarer, was alles möglich ist. Die Einrichtungen und Dienste benötigen daher dringend zusätzliche Mittel, um die Infrastruktur anpassen und zukunftsorientierte Konzepte entwickeln und umsetzen zu können.
 
Solide Finanzierung der Kommunen
Soziale und pflegerische Daseinsvorsorge ist in vielen Bereichen Aufgabe der Kommunen. Damit sie ihre Aufgabe in Zusammenarbeit mit den subsidiär tätigen Trägern gut leisten können, müssen die Kommunen finanziell solide und auskömmlich ausgestattet werden.
 
Unsere Gesellschaft lebt von Solidarität
Soziale und pflegerische Arbeit ist gelebte Solidarität und damit ein wesentliches Merkmal unserer Gesellschaft. Die caritativen Einrichtungen und Dienste ermöglichen vieles: ein menschenwürdiges Leben, Teilhabe, Bildungschancen, Gerechtigkeit, Beratung und Unterstützung in allen Notlagen. Dies wirkt sich nicht nur auf einzelne Menschen und Familien positiv aus, sondern auf die Gesellschaft als Ganzes. Nur eine humane Gesellschaft, die alle mitnimmt, wird auf Dauer die Demokratie stärken und sich gegen politischen Extremismus wehren können.
 
Caritative Arbeit braucht Wertschätzung und konkrete Unterstützung
Darum braucht soziale und pflegerische Arbeit eine entsprechende Wertschätzung und Unterstützung durch Gesellschaft und Politik. Die Leistungen müssen anerkannt und gemeinsam sichtbar gemacht werden. Durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe müssen adäquate Rahmenbedingungen und Finanzierungen geschaffen und weiterentwickelt werden. Dabei gilt es, das Subsidiaritätsprinzip ernst zu nehmen und das Einbringen von Eigenmitteln deutlich zu reduzieren bzw. darauf zu verzichten.
 
Caritas ist gelebte Kirche
Caritative Arbeit ist ein wesentlicher Ausdruck des christlichen Glaubens. Die Pandemie hat offenbart, wie bedeutsam und systemrelevant die vielfältigen Dienste und Einrichtungen des Caritasverbandes und seiner angeschlossenen Fachverbände und Träger sind. Dies ging einher mit der großen Herausforderung, einerseits für die Menschen da zu sein – auch im unmittelbaren Kontakt – und andererseits so viel Infektionsschutz wie möglich zu erreichen. Die innerkirchliche Wertschätzung und Unterstützung der caritativen Arbeit sind daher von großer Bedeutung.